Im vergangenen Jahr konnte man Christian Venus bereits auf einem Teil der Tour von Sunrise Avenue im Vorprogramm bestaunen, nun holt er zum großen Schlag aus. 3 Uhr morgens betitelt erscheint dieser Tage sein Solo-Debüt. Was letztes Jahr musikalisch schon sehr gut, aber in der Umsetzung teilweise recht nervös rüber kam, wirkt nun auf CD sehr durchdacht und souverän. Deutschsprachige Musik im Spannungsfeld von Rock und Pop bietet der Mann, der ob seines Nachnamens stets diverse Ausweise vorzeigen muss, damit man ihm seinen Namen glaubt, hier auf seinem Album feil und zeigt sich dabei sowohl von seiner rockigen Seite als auch von einer sehr gefühlvollen.

Aus Kiel kommt er, Hamburg ist seine Wahlheimat – und irgendwie hört man es ihm eigentlich gar nicht so richtig an. Er bewegt sich musikalisch ziemlich weitab von Bezeichnungen, die auf Städte zielen. Sei es die Hamburger Schule oder auch Großstadtrock. Derlei trifft hier nicht wirklich zu. Es braucht keine großen Slogans. Nur Musik und Gefühl. Und dass er das beherrscht, zeigt er schon von Beginn an, wenn er 3 Uhr morgens mit einem eingängigen Groove beginnt und im Chorus schon einmal ordentlich rockt. Das Thema: Wie so oft… Das große Gefühl, die Zweisamkeit. Sie schimmert immer wieder implizit oder explizit hindurch. Das ist zwar nicht wirklich neu, aber es gibt immer wieder neue Facetten, wie er beispielsweise in der Single Fußballstadion demonstriert. „Die Leidenschaft, die ich für dich und du für Fußball hast“ steht dabei für sich.

Die Gefühle zu besingen und musikalisch zu verdeutlichen, ist zwar auf der einen Seite eine große Stärke von Christian Venus, auf der anderen Seite aber auch einer der wenigen Schwachpunkte des Albums. Denn es ist ein wirklich sehr hoher Anteil an Stücken, die sehr stark von Gefühlen singen und die Melancholie in den Mittelpunkt stellen, während man als Hörer aber stark unter dem Eindruck von Stücken wie 3 Uhr morgens oder dem als Konzertopener bereits bewährten Hysterie steht. Das spricht nicht gegen die Stücke, denn diese sind wirklich sehr gut umgesetzt und nicht zu bemängeln. Von der Balance her hätte jedoch trotzdem eventuell ein weiteres Rockstück gut getan.

Das vermag aber keine sonderlich großartige Schmälerung des Gesamteindrucks zu bewirken. Christian Venus hat gute Arbeit abgeliefert und mit 3 Uhr morgens ein beachtliches Debüt abgeliefert. Ein Debüt, das zeigt, dass er das Zeug hat, die großen Bühnen auch als Hauptact zu bespielen anstatt Anheizer für eine Horde kreischender Mädchen zu spielen.

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Konzertbericht: Sunrise Avenue – 20.10.2007, Leipzig Haus Auensee

Homepage: www.christianvenus.de
MySpace: www.myspace.com/cvenus

Text: Marius Meyer