Coil existiert seit Jahren nicht mehr, die beiden Macher starben 2004 und 2010, dennoch ist der Einfluss des Musikprojektes bis heute im sowohl im Industrial als auch in anderen elektronisch-experimentellen musikalischen Bereichen präsent. Auch Trent Reznor bewunderte stets das Schaffen Coils, was er nicht nur 2010 mit seinem How to Destroy Angels bewiesen hat, das er nach der ersten Coil-Single benannte. Zudem bat er Coil darum, einige seiner Lieder zu remixen, die Hyde und Christopherson unabhängig voneinander abmischten. Insgesamt gab es fünf Stücke, die lange nur als Gerücht existierten, aber durch ein Nine Inch Nails-Forum letztendlich aufgespürt wurden und nun als offizielle Veröffentlichung das Licht der Welt erblicken.

Die Beurteilung der Veröffentlichung ist nicht ganz einfach, obwohl auffällt, dass beide Bands musikalisch ineinander greifen und so Synergieeffekte erzeugen. Gemein ist allen Liedern, dass verglichen mit den Original-Versionen aus allen das Tempo herausgenommen wurde und dafür viele experimentelle Klänge zwischen den Riffs zu finden sind. Closer wird im Gegensatz zum Original hier fast schon sphärisch mit oszillierenden Klängen präsentiert und Eraser kommt in zwei Varianten vor: Einmal als Ambient-Collage, dann wiederum im deutlich noisigeren Gewand.

Was nur schwer fällt, ist die Frage, für wen das Album zu empfehlen ist: Für jene, die sich für Coil interessieren eine sicherlich lohnenswerte Anschaffung, für Nine Inch Nails-Fans wird das Material wahrscheinlich zu verspult sein und wenn man Coil schätzt, aber Nine Inch Nails weniger, kann man auch schnell ernüchtert sein und lieber zu den anderen Coil-Veröffentlichungen greifen. Von daher sei es empfohlen, das Material erst einmal vor dem Kauf anzutesten.

Text: Tristan Osterfeld