Keines der vorigen Control Alben war in irgendeiner Weise leichte Kost. Damit war auch eigentlich zu erwarten, dass In harm’s way auch nicht weniger anstrengend und zermürbend werden würde. Aber selbst wenn man weiß, was einen erwartet, dann ist In harm’s way doch noch eine Überraschung – weil es eben viele Momente gibt, die man so dann doch nicht erwartet hätte. Es ist nicht einmal, dass hier nochmal brutaler vorgegangen wird, nein es sind die Momente, die das Album fast schon normal wirken lassen – bevor man dann merkt, dass dies nur dazu dient, um den Hörer direkt ins offene Messer laufen zu lassen, wobei es nicht nur ein Messer ist, in das man da läuft.

Ständig hat man das Gefühl die Strukturen des Albums sind fast melodisch, jedoch bauen sich die Melodiebögen nur auf, um einzukrachen und den Hörer unter einem zu begraben. Sobald das passiert, scheint sich dann nur noch ein endloser Abgrund aufzutun, in den man ewig hinabfällt und zwischendurch immer mal wieder an Stacheldraht hängen bleibt. Und hat man doch mal geschafft, eine Tür raus zu finden, so ist diese verschlossen – und das Dagegenschlagen scheint in endlosen blechendern Rhythmen zu verschwimmen, während man von Shouts, Fiepen und monotonem Maschinenlärm eingeschlossen wird.

Mit In harm’s way ist Control ein Album gelungen, dass im Bereich Death Industrial eindrucksvoll hervorsticht, weil es genau da ansetzt, wo es wirklich weh tut. Anstatt immergleiches Rauschen und Dröhnen loszulassen, werden aggressive Momente, blecherndes Trommeln immer so eingesetzt, dass es mit den anderen Elementen seine Wirkung verstärk und selbst nach dem Hördurchgang noch im Kopf bleibt.

Text: Tristan Osterfeld