Am 23.01.2015 erschien das zehnte Studialbum von Cracker. Berkeley To Bakersfield kommt sechs Jahre nach Sunrise in the Land of Milk and Honey auf dem Label Freeworld/Floating World. Fans dürfen sich also freuen: Es gibt endlich Neues von Indie-Legende und Camper van Beethoven-Sänger David Lowery auf die Ohren. Damit nicht genug: Der neue Streich kommt gleich als Doppelalbum daher. Entzog sich Lowery schon in den 80er Jahren mit seiner ersten Band gängigen Genreeinordnungen, so legte er Camper van Beethoven nach zwei Jahren unter Label-Regie 1991 auf Eis und startete gemeinsam mit seinem Gitarristen Johnny Hickmann stattdessen Cracker. Die Entschlossenheit zu stilistischer Wandlungsfähigkeit ist auch auf Berkeley To Bakersfield nicht nur erhalten geblieben, sondern zur Methode erhoben.

Die Amerikaner bereisen zwei verschiedene musikalische Seiten der kalifornischen Landschaft: die nördliche Bay Area sowie das südliche Bakersfield. Lowery und Hickman haben die Songs des neuen Albums mit einer Handvoll Gastmusikern im Studio von Drew Vandenberg eingespielt, wobei sich durch die Beteiligung von Bassist Davey Faragher und Schlagzeuger Michael Urbano die ursprüngliche Besetzung aus Cracker-Anfangstagen wieder vereint im Studio fand.

„Dies ist das erste Mal seit fast 20 Jahren, dass wir wieder gemeinsam in Originalbesetzung etwas aufgenommen haben“, beschreibt Lowery die besonderen Umständen der Produktion. Der erste Teil des Doppelalbums orientiert sich an der für die Bay Area typischen Spielart des Rock. „Punk und Garage mit funkigen Untertönen“, umschreibt Lowery das Genre treffend.

Cracker legen dabei stellenweise für den California-Punk typische harte und dennoch spaßige Hymnen hin und zeigen auch in den genüsslich verdudelten funky Stücken zu Uptempo-Schlagzeug und obertönigen Gitarren jederzeit Bereitschaft, das Tempo aus der Gemütlichkeitssphäre in Richtung energetischen Fuzz-Rocks anzuziehen. Das hat Groove und strahlt dennoch eine angenehme Hibbeligkeit aus.

Den zweiten Teil des Doppelalbums erläutert Lowery: „Die Bakersfield-CD repräsentiert die kalifornische Seite der Band. In der 24-jährigen Bandgeschichte haben wir uns immer mal an Country und Americana versucht, aber diesmal sollte es eine Hommage an die spezielle Stilrichtung des Country und Country-Rocks sein, wie er in den Tälern landeinwärts von Kalifornien gespielt wird.“

Entsprechend groß ist der Stilwechsel. Country-Gitarren, Banjo und Bar-Piano prägten das Bild. Stellenweise mischen sich kantabile Gitarrenläufe darunter, die ein wenig an Dire Straits erinnern. Der Country von Cracker bleibt im Vortrag recht bodenständig, jedoch stets angereichert durch Elemente des Blues und Roots Rock. Hier ist es vor allem der Gesang von David Lowery, der das Tempo hochhält, während das Gesamtsetting sich in südlicher Geschmeidigkeit bewegt.

Berkeley To Bakersfield nimmt in mancherlei Hinsicht eine Sonderstellung in der Geschichte der Band ein. Zum ersten Mal nach sechs Jahren hat man ein Studioalbum eingespielt, zum ersten Mal nach 20 Jahren ist die Originalbesetzung zusammengekommen und mit der Bakersfield-CD hat die Band zum ersten Mal eigene Songs im geliebten Country-Stil realisiert. Nach annährend 25 Jahren Bandgeschichte liegt eine Art Quintessenz des Schaffens der Mannen um David Lowery vor.

Cracker bleiben ihrem Stil, der sich über viele Stile erstreckt, treu und machen ihr Ding. Genüsslich, ohne sich um den großen Erfolg zu kümmern und mit aller Freude an Konzept und Experiment. Fans dürfen sich freuen. Für alle Anderen geht das Rätselraten weiter: Sind Cracker eine Alternative-Rock-, eine Americana-, Country-, oder gar eine Punk- oder Classic Rockband? Cracker sind vor allem: Ganz lecker!

Homepage: www.crackersoul.com
Facebook: www.facebook.com/CrackerSoul

Text: Mirco Drewes