Schon vor einigen Jahren wurde wild über eine Live-Box der berühmt-berüchtigten 1974er-„Doom Tour“ von Crosby, Stills, Nash & Young spekuliert, nun ist sie unter dem simplen Titel CSNY 1974 endlich erschienen. Die Supergroup kommt zwar heutzutage wieder sehr gut miteinander aus, 1974 waren allerdings die internen Spannungen so groß, dass die Band nach der nun auf drei CDs und einer DVD verewigten Tour zerbrach und erst wieder Ende der 80er-Jahre zusammenkommen sollte. Glücklicherweise hört man dies bei der vorliegenden Zusammenstellung überhaupt nicht heraus – im Gegenteil steigert sich die Band von Stück zu Stück. Durch David Crosby, Stephen Stills und Neil Young ist die Musik natürlich gitarrenbetont, aber das akustische Set auf der zweiten CD zeigt die gesangliche Klasse des Quartetts, bei dem vor allem Crosby und Graham Nash brillieren.

Mit einer Spieldauer von etwa drei Stunden und 16 Minuten und fast allen Hits und Klassikern hat das Album nicht nur das wichtigste der Band zu bieten. Obendrein gibt es noch zahlreiche Stücke, die bisher auf keinem Studio- oder Livealbum veröffentlicht wurden. Dazu zählen auch einige Lieder aus der Feder von Neil Young, die in seiner persönlichen Fangemeinde hoch gehandelt werden, wie Love Art Blues und Pushed It Over The End, hier natürlich und zusätzlich mit großartigen Harmonie-Vocals. Die Höhepunkte des Albums sind allerdings die Jams, z.B. On The Beach, Black Queen oder Déjà Vu, die auf der ersten und der dritten CD vorkommen. Wenn sich Stills und Young ihre Gitarrenduelle liefern, zeigt sich erst das volle musikalische Potential der Band. Da ist es schade, dass der stets sehr langgezogene Klassiker Carry On nicht den Weg auf das Album gefunden hat – angeblich war laut Nash keine Liveversion gut genug.

Die Soundqualität ist für Aufnahmen diesen Alters mehr als überraschend klar und schlicht beeindruckend. Das ist allerdings keine Überraschung, da Nash persönlich für die bestmögliche Lagerung der Originalbänder gesorgt hat und diese auf Youngs Drängen hin in höchster Qualität überspielt wurden. Das Ergebnis hat die Messlatte in Sachen Soundaufbereitung noch einmal höher gelegt. Hier ist kein Sound verwaschen und selbst wenn es vereinzelte Verzerrungen gibt, wurden sie auch von den Zuschauern in den Stadien so gehört. Da kann ich mich nur fragen, wie wohl der Sound der „Pure Audio“-Blu-ray-Ausgabe dieses Albums ist.

Auch wenn sich die Band selbst im Jahr 1970 auf dem Höhepunkt ihres Könnens sehen mag: mit CSNY 1974 haben Crosby, Stills, Nash & Young das bisher beste Livealbum ihrer Karriere vorgelegt, wenn auch mit 40 Jahren Verspätung. Diese Aufnahmen sind nicht nur etwas für Fans; sie zeigen vielmehr die Zeitlosigkeit und das Können einer Band von Ausnahmemusikern, deren Songwriting noch immer unerreicht ist.

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Text: Wolfgang Merx