Nach acht Jahren Pause legt der Ire Damien Rice den Nachfolger zu 9 vor. Und er leidet, fleht, hofft, resigniert auf My Favourite Faded Fantasy. Er tut dies auf eine unaufgesetzte und eindrucksvolle Art und Weise, die nicht einmal Gefahr läuft, in einen Hauch von Kitsch abzurutschen. Allein die Länge der Songs zeigen, dass hier niemand angetreten ist, zehn kitschige Schmachtsongs auf CD zu bannen. Allein die beiden ersten Tracks My Favourite Faded Fantasy und It takes a lot to know a man kommen auf eine Spielzeit von ca. 15 Minuten.

Rice entwickelt seine Songs vorsichtig. Mal baut er sie leise, mit lediglich einer Gitarrenbegleitung auf, um zum Ende mit in voller Bandbesetzung zum Finale zu kommen. Mal verdreht er den Song, dass man sich an Perlen wie Radioheads OK Computer erinnert fühlt. It takes a lot to know a man ist eines dieser herausragenden Stücke. Die Musik erhält Raum und Zeit. Rice hetzt die Songs nicht zum nächsten Refrain. Gefühlvoll gesetzte Instrumentalphasen, transportieren die Schwere, das Hoffen und Bangen. Geigen klingen herzerweichend, als würden sie jeden Moment zerspringen.

Die Musik nimmt einen mit in einen verwunschenen Garten. Die Sonne bahnt sich nur zögerlich den Weg durch die dichten Wälder. Es reicht gerade, um den Dunst mit einem leichten Glanz zu versehen. Dort trifft man all die Enttäuschten und Verlassenen, die ihrem Leiden nicht entfliehen können. Lässt man sich auf Rice ein, entflieht man den dunklen Novembernachmittagen, die viel zu schnell enden und lässt sich einfach von ihm treiben.

My Favourite Faded Fantasy ist ein tolles Album, das es bis auf ganz wenige Momente schafft, die Traurigkeit unprätentiös und mit gefühlvollen Melodien zu transportieren. Lediglich in seltenen Momenten fühlt man sich an übliche Klischees erinnert. Höhepunkte sind zweifelsohne diejenigen Stücke, die die „5-Minutenschallmauer“ durchbrechen und einem Zeit des Eintauchens geben. Eine CD, die einem zum Mitleiden verführt, und einen mit einem angenehm schweren Gefühl zurücklässt, wenn die letzten Takte von verklungen sind.

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Text: Thorsten Lühl