Da sieht man mal wieder, was passieren kann, wenn Menschen einfach am anderen Ende der Welt abgeschnitten von der restlichen Zivilisation leben und sich dort in eine ganz eigene Richtung entwickeln. So wie bei den Australiern von Dandelion Wine, die laut Bandbeschreibung Ethno-/Etheral-Folk machen sollen. Das ist in gewisser Weise auch so, nur ist das, was diese Band spielt, etwas, das diesen Begriff in eine Richtung laufen lässt, die man bei dieser Musik gar nicht erahnt hätte. Fast poppiger Songaufbau, extrem tanzbare Stücke und sehr intensive Klänge, die schon fast einen aufdringlichen Charakter haben. Ungewöhnlich also, was sich auf All becompassed by Stars abspielt.

Das beginnt schon beim zweiten Track Gravity, bei welchem sich in Zitterklänge plötzlich oszillierende elektronische Klänge einmischen. Bei Shards gibt es plötzlich Perkussion, die an Industrial zu erinnern vermag, was man auf so einem Album nicht zu vermuten ist. Dazu gesellen sich noch der beschwörerische Gesang und zwischendrin verzerrte E-Gitarren. Bei alledem verliert man schnell den Überblick in den verschachtelten Songstrukturen.

Lediglich die rituelle Perkussion vermag noch an Ethno bzw. Etheral zu erinnern, sonst gewohnte Elemente fehlen dafür fast komplett, sieht man mal von XVII, Early warning sign ab, wobei letzteres nach drei Minuten aber auch wieder E-Gitarren und Rock-Einflüsse bietet. Das abschließende Lied Seven times as bright geht wiederum fast in Richtung Ambient, wobei der Titel nicht an Helligkeit denken lässt. Wie eine finstere Nacht wirkt dieser eher.

Auf All becompassed by Stars geht es also nur selten ruhig oder andächtig zur Sache, stattdessen ist es sehr farbenfroh, wenn nicht sogar knallbunt und unberechenbar. Das macht das Album einerseits sehr spannend, sorgt aber in den ersten Durchgängen auch schnell für Übersättigung. Hat man sich aber mal an den Klang dieses ungewöhnlichen Albums gewöhnt, weiß dieses energiegeladene und immer überraschende Album dann auch zu gefallen.

Homepage: www.dandelionwine.com.au
MySpace: www.myspace.com/aninexactscience

Text: Tristan Osterfeld