Ein Haus, aus dessen Schornstein Rauch aus Blumen qualmt, im Hintergrund bunte Farbverläufe und ein Boden, der an einen Sternenhimmel erinnert. In der Welt des Daughn Gibson geht es eindeutig surreal zu. Begonnen als Drummer für eine Stoner/Blues Rock Band veröffentlicht er mit Carnation sein drittes Soloalbum, das mit dem Klängen seiner vorigen Band nur sehr wenig zu tun hat. Von der Schwere und dem repetitiven Riffing des Stoner Rock ist kaum was zu hören, stattdessen weist es eine ungeheure Dynamik auf – und eine Farbenfreude, die schon das Cover andeutet. Auch dessen surreale Wirkung erreicht die Musik, die so einprägsam ist und sich zur selben Zeit möglichen Umschreibungen entzieht.

Das nicht zu Beschreibende in Worte zu fassen ist paradox, genau wie die Spielzeit von nicht mal vierzig Minuten, die aber deutlich länger wirkt. Denn Daughn Gibson lässt sich für seine Lieder Zeit. Ausschweifungen sind nicht unüblich und man streift dabei Country, Weltmusik, Rock und sakrale Klänge. Zu denken wäre an eine Melange aus Nick Cave, Dead Can Dance und Depeche Mode. Ein seltsamer Vergleich, der doch passt, da all diese Bands ein Hauch des Düsteren und Morbiden umgibt, der auf Carnation in seinem schillernden Glanz dann doch immer durchkommt.

Man könnte das Album auch aufgrund der Eingängigkeit als Pop bezeichnen, was für ein solches Album aber eine Beleidigung wäre. Denn kein Hauch von seichten, leichten Klängen ist zu hören, stattdessen verbergen sich hinter den gefälligen Melodien komplexe Arrangements, die man erst entdecken kann, nachdem man in dem Album versunken ist.

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Text: Tristan Osterfeld