Okay, ich gebe zu: Wenn ich »Progressive Rock« und »Trio« höre, dann gibt es für mich persönlich zunächst mal nur eine Referenz, nämlich die drei kanadischen Altmeister von Rush – und die sind schwer zu erreichen. Entsprechend muss ich auch nach mehrmaligem Hören von Deanmoores EP Illusions sagen: An die ganz Großen des Prog reichen die Niederländer Nils Wiegerinck (Gesang/Gitarre), Harmen Stortelder (Bass) und Roel Stoltenborg (Schlagzeug) einfach noch nicht heran. Auch der Vergleich mit Porcupine Tree, der für die Promotion der EP bisweilen bemüht wird, ist, nennen wir es mal »ambitioniert«. Aber was nicht ist, kann ja durchaus noch werden.

Ja, Illusions hat schon Charakteristika eines Prog-Albums: Es gibt Anflüge von Bombast und Pathos, es gibt den obligatorischen titelgebenden Longtrack und es gibt ein paar ganz erfrischende Experimente mit Verzerrern und Gitarrensounds. Es gibt Rhythmuswechsel und sogar Anleihen bei den Riffs von Alex Lifeson und, ja, auch Anleihen bei Porcupine Tree. Aber es fehlt eben auch was: Die Songs haben nichts Verschachteltes, keine Soli, kaum Kontraste und keine Schnörkel. Selbst der Achtminüter Illusions bietet zwar ein Wechselspiel aus Akustik und elektrisch verstärkt, ist aber im Grunde genommen nur eines: sehr in die Länge gezogen.

Alles in allem ist mir Illusions zu konventionell und (pardon!) schlicht, um als waschechter Prog durchzugehen. Das Album ist solide, die Songs professionell gemacht, aber zugleich auch ohne Wagnis. Bass und Schlagzeug sind druckvoll, die Gitarre dominant. Man hört, dass die Jungs ihre Instrumente beherrschen. Einzig die Stimme von Wiegerinck fällt dem gegenüber bisweilen ab und kommt gegen den fetten Sound nicht an.

Fazit: Meiner Meinung nach wäre die EP Illusions unter Nu Metal oder meinetwegen Progressive Metal besser verortet. Dann bekäme man das zu hören, was man erwartet. Sie als progressive Rock zu bezeichnen weckt hingegen Erwartungen, die schlicht nicht erfüllt werden.

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Text: Mario Nowak