Es ist das achte Studioalbum einer Band, die, wie alle, ihre Höhen und Tiefen hatte. Doch dass es jetzt „noch“ einschneidende Veränderungen geben könnte, hätten die wenigsten gedacht. Ende 2014 verließ Gitarrist und Produzent Chris Walla die Band und hinterlässt mit Kintsugi noch ein letztes Mal seinen großen Einfluss auf einem Werk seiner ehemaligen Band. Auch wenn es das erste Album der Gruppe ist, das nicht von ihm produziert wurde, hat er mit seiner Gitarre noch vielen Liedern seinen Stempel aufgedrückt. Also, bevor darüber nachgedacht wird, was mit dem neunten Album aus Death Cab For Cutie wird, sollte man sich dem aktuellen Album zuwenden.

Hier fällt zuerst der Name auf, der für die Bandmitglieder eine große Bedeutung hat: Er bezieht sich auf die japanische Kunst, zerbrochene Gegenstände wieder zusammenzufügen und dabei die Bruchstellen mit Gold zu betonen, die Makel also nicht zu kaschieren sondern zu betonen. Auch wenn das (nunmehr) Trio Rückschläge erlitten hat ist es durch diese stärker geworden, und das beweist Kintsugi.

Es beginnt mit dem Song No Room In Frame, dem man schon anhört, dass hier wieder weniger mit Synthesizern und mehr mit Gitarre gearbeitet wurde. Es folgt Black Sun, das etwas düsterer klingt, aber Death Cabs Schönheit ebenfalls widerspiegelt. Anschließend folgt die dritte Single (und man muss sich wieder fragen wieso Bands so häufig das Gefühl haben, ihre „besten“ Songs an den Beginn des Albums stellen zu müssen), The Ghosts of Beverly Drive, das erste Lied, das schneller und als erstes wirklich Indie klingt. Doch es geht auch jenseits der Singles weiter, denn auch das vierte Lied, Little Wanderer, laut Sänger Benjamin Gibbard der persönlichste und intimste Song des Albums, berührt den Zuhörer. Er handelt davon, derjenige zu sein, der zuhause auf seinen Partner wartet während dieser auf Reisen ist. Gibbard sagte, dass er sich zum ersten Mal so fühle wie sich vergangene Partner wohl schon oft gefühlt haben, wenn er auf Tour war. Auch musikalisch ist Little Wanderer eines der emotionalsten Lieder auf Kintsugi. Es folgen zwei weitere ruhige bis sehr ruhige Lieder, bis es erst mit Everything’s A Ceiling und danach mit Good Help (Is So Hard To Find) wieder flotter wird und ein weiteres Lied mit Singlepotential zu hören ist. Das letzte wahre Highlight des Albums ist ohne Frage El Dorado, in dem Chris Walla ein letztes Mal zeigt, was für emotionale Gitarrenmelodien er zustande bringen kann und Benjamin Gibbard diese mit seinen Vocals perfekt ergänzt. Mit Ingenue folgt eines der (klanglich) optimistischsten Lieder und Kintsugi endet mit Piano und Gitarre auf dem melancholischen Binary Sea.

Death Cab For Cutie haben also ein Kapitel ihrer Bandgeschichte abgeschlossen und Kintsugi ist dafür genau das richtige Album.

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Text: Alexander Mann