Eine apokalyptische Grundstimmung war der Band von Albin Julius ja immer anzumerken, egal welche der vielen Phasen, die die Band durchlebt hat, man betrachtet. Auch All to pieces enthält diese Grundstimmung, was bereits das Cover andeutet: Ruinen, die langsam aber sicher von der Natur wiedererobert werden. Von Menschen keine Spur und wie auf den vorigen Alben alles in grellen Farben gehalten, die so wirken, als hätte der Designer halluzinogene Pflanzen verwendet und deswegen zu stark an den Farbmischern und der Sättigung gedreht. So passt es auch zur Musik, die nicht weniger surreal ist und gleichzeitig so bedrohlich und gemächlich wirkt, als würde man einem langsamen Prozess des Verfalls zusehen.

Im Titelsong beschwört bereits Marthynna diese Stimmung mit fast elegischem Gesang herauf, zu dem sich schwindelerregende elektronische Klänge gesellen. I have been here before beginnt mit Schreien und Stoner-Gitarren und bewegt sich irgendwo Richtung Orbit, so als wäre man bereits dabei, die Erde zu verlassen, doch scheint die Reise vorgegeben zu sein: I’ve been here before, so I know my way. Für die weniger Glücklichen, die es geschafft haben, den Planeten zu verlassen, bleibt dann nur Song of life and death, das morbide und bizarr wirkt. Wie eine rituelle Orgie kurz vor dem Unvermeidlichen, in der der eigene Untergang zelebriert wird durch hallenden, zweistimmigen Gesang. Im krassen Gegensatz steht dann Acheroantia, das ebenso repetitiv ist wie der Rest, aber Gitarren sind zu hören, leise Orgeln im Hintergrund und etwas, das wie Kirchengeläute klingt.

Wenn die Welt untergeht, dann sollte man zumindest einen Abgang hinlegen, der unvergesslich bleiben würde, wenn denn dann noch jemand übrig wäre, um sich zu erinnern. Mit der All to pieces EP gibt es für diesen Abgang jedenfalls schon einmal den richtigen Soundtrack.

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Text: Tristan Osterfeld