Da haben wir wieder das Wortungetüm. Es ist gerade mal ein Jahr her seit The story about the digging of the hole and the hearing of the sounds from hell und schon wieder gibt es ein neues Album von Der Blutharsch and the infinite Church of the leading Hand. Was einen erwartet, weiß man natürlich nie genau, denn immer, wenn man denkt, mit dem vorigen Album wäre alles gemacht und gesagt, schafft man es doch noch, den Hörer zu überraschen. Und es wird keine Überraschung sein, dass dies bei The End of the Beginning wieder der Fall ist. Der Inhalt ist allerdings schon eine Überraschung. Wie eine Wundertüte, bei der man nicht weiß, was drin ist, aber irgendwie macht das, was drin ist auch wieder Spaß.

Wenn man das Album beschreiben will, wird es einem nicht leicht gemacht. Wieder erklingen wabernde Orgeln, irgendwo sind hypnotische Geräusche zu vernehmen und die Gitarren quietschen. Im Gegensatz zum Vorgänger wirkt das Album weniger finster, auch wenn man die Stimmung nicht als wirklich positiv bezeichnen kann. In der Dunkelheit mag man damit rechnen, dass es unheimlich ist, aber wenn die unheimlichen Dinge am helllichten Tag auftreten, ist es umso verstörender. So in etwa steht The End of the Beginning zu The story…. Letzteres gefiel sogar Leuten, die die Band sonst nicht mochten, es ist daher fraglich, ob dieses Werk das auch schafft. Es geht nämlich deutlich weniger eingängig zu.

Musikalisch bleibt man also dem Krautrock treu, wobei man sich aber vielseitiger präsentiert: Get back ist meditativ, Glad you’re here ist dagegen fast tanzbar und Right in your head wirkt wie irgendeine pervertierte Form der Weltmusik, wobei der Name Programm zu sein scheint, denn genau da ballert das Album richtig rein. Gegen Ende wird es mit Thee big electric chair nochmal richtig schräg, bevor einen ruhigere Klänge aus dem Album verabschieden.

Wieder mal sind einige illustre Gäste zu hören: Lloyd James von Naevus singt auf Abacus, mit Josef Dvorak hat man einen Mitbegründer des Wiener Aktionismus und Satanismus-Forscher dabei. Dazu kommen Matt Howden von Sieben und Lina Baby Doll von Deutsch Nepal.

Wie üblich, wird man einige Hördurchgänge brauchen, um sich wirklich zurechtzufinden, gleichzeitig hört man aber wieder die ganz eigene Art der Band, an Musik heranzugehen, heraus. Das ist dann auch wieder das einzige, das auf dem Album im Vergleich zu den Vorgängern so geblieben ist. Gerade wenn man die Platte zum ersten Mal hört, wird man mit Eindrücken bombardiert, ohne diese wirklich zuordnen zu können. Der Band ist also ein weiteres spannendes Album gelungen.

Weitere Artikel
Konzertbericht: Der Blutharsch – 15.03.2012, Brüssel Magasin 4
Rezension: Der Blutharsch – The story about the digging…
Rezension: Der Blutharsch and the infinite Church of the leading Hand & Aluk Todolo – A Collaboration
Rezension: Der Blutharsch – Live in Praha
Rezension: Der Blutharsch – Live in Leiden
Rezension: Der Blutharsch – Flying High!
Rezension: Der Blutharsch/Our Survival Depends On Us – Split
Rezension: Der Blutharsch – Everything is alright!
Rezension: Der Blutharsch – When all else fails!
Das Jahr 2007 aus zwei Perspektiven
Rezension: Der Blutharsch – The Philosopher’s Stone
Rezension: Der Blutharsch – Live in Copenhagen
Rezension: Der Blutharsch – When did wonderland end?

Homepage: www.derblutharsch.com
Facebook: www.facebook.com/pages/Der-Blutharsch-and-the-infinite-church-of-the-leading-hand/112227928849449

Text: Tristan Osterfeld