Der Blutharsch hat es seiner Hörerschaft zwar vielleicht in seiner Laufbahn nie so unbedingt einfach gemacht, einen Schuh muss sich die Gruppe um Albin Julius aber sicherlich überhaupt nicht anziehen: Angepasstheit und Anbiederung waren nie die Sache von Der Blutharsch. Dass der Trend in den letzten Jahren immer mehr zum Psychedelic Rock ging, war unüberhörbar und live sowieso nicht zu übersehen. Platten wie When did Wonderland end? und The Philosopher’s Stone hatten dabei eine für Der Blutharsch nahezu ungewohnte Zugänglichkeit, mit Flying High! allerdings scheint der Trend nun unter der Maxime „Mehr Psychedelic, weniger Rock“ zu laufen.

Und doch ist sie wie immer erkennbar, die Linie, die sich durch das Schaffen der Formation zieht. Gerade in den ersten Songs hat man den Eindruck, hier würde der – sagen wir es salopp – „Abgefahrenheitsgrad“ von Songs wie auf When all else fails! mit anderen Mitteln erreicht. Statt industriellen Klangcollagen allerdings begegnen hier verhangen-psychedelische Sphären, die irgendwo was von Ambient haben, auf der anderen Seite aber auch was von Krautrock. Dass Albin Julius sich in Schmieden wie Tangerine Dream und Amon Düül zumindest hat inspirieren lassen, sollte man nach Klängen wie diesen nicht leugnen dürfen.

Der Hang zum Psychedelic Rock wird im Mittelstück, dem elfminütigen Titelstück (obgleich es – wie alle anderen Stücke – eigentlich keinen Titel hat) wieder deutlicher. Die Gitarren werden hier immer lauter, es wird mit Feedbacks gearbeitet, es begegnen Drones und mit den schier endlosen Loops begegnet ein abermals sehr kraut-nahes Element. Wenn Gastsänger Patrick Leagas dann wie in Trance „You and I – Flying High“ singt, weiß man genau, was es ist, was Der Blutharsch anno 2009 ausmacht. Und man weiß auch, was einen für den Rest des Albums erwartet: Musik in ähnlichem Fahrwasser, in der die Psychedelik drastisch in den Vordergrund gerät.

Und dann endet die CD am Ende auf einmal doch mit industriell anmutenden Klängen und Sirenengeräuschen. Da war er wieder: Der rote Faden, der sich durch das Gesamtwerk zieht. Denn trotz aller Wandlungen: Der Blutharsch sind immer unverkennbar Der Blutharsch – auch wenn dieses Album völlig anders klingt als das, was man vom frühen Der Blutharsch kennt. Dieses Album macht es dem Hörer weniger einfach als das bei den Vorgängern der Fall war, da es einen sehr eigenen Kosmos darstellt – wenn man sich in diese psychedelische Welt aber rein findet, weiß es sehr zu gefallen. Und einfach machen wollte die Band es dem Hörer sicherlich sowieso nie!

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Homepage: www.derblutharsch.com
MySpace: www.myspace.com/derblutharsch

Text: Marius Meyer