Manche Sprichworte kann man immer und immer wieder anstrengen. Die richtige Verwendungssituation findet sich schon irgendwann. So auch, wenn man sagt: „Gegensätze ziehen sich an.“ Hat Der Blutharsch sich in den letzten Jahren immer mehr psychedelischen Klängen mit deutlichem Hang zur Rockmusik verschrieben, dabei aber stets eine unverkennbare eigene Note der Verschrobenheit beibehalten, veröffentlichen Albin Julius und co. nun eine Split-Single gemeinsam mit der Gruppe Our Survival Depends On Us, die sich einer Mischung aus Doom Metal und Hardcore-Klängen verschrieben hat. Eigentlich eine eigenwillige Zusammensetzung, die aber dafür ihren ganz eigenen Reiz hat.

Der Blutharsch eröffnet seine Seite der Split zunächst mit marschartigen elektronischen Klängen. Man möchte sagen, es ist eigentlich schon ein Elektro-Beat und wundert sich dann, wie gut das mit dem Blutharsch harmoniert. Dabei werden immer wieder die verschiedenartigsten Einsprengsel geliefert, die von Feedbacks bis hin zu Instrumenten reichen, die klingen, als kämen sie aus Tibet. Dieser tibetanische Einfluss wird auch gerne mal durch einige Gesangssamples untermauert. Auch hier lässt sich ein psychedelischer Touch nicht verleugnen. Dabei entsteht ein interessantes Blutharsch-Stück, das vielleicht nicht zu den stärksten Stücken der Formation gehört, aber sehr gelungen ist und eindeutig Lust auf mehr macht.

Our Survival Depends On Us hingegen spielen brachiale Gitarrenklänge im hohen Tempo und gehen mit gerade noch als solchem identifizierbaren Gesang geradewegs auf die Zwölf. Harte Gitarren, ein ordentliches Aggressionspotenzial und ein Hang zum Repetetiven in der Instrumentennutzung ergeben eine ordentliche Klangwand, die aber zwischendurch in einigen fast gesprochenen Passagen auch mal Zeit zum Verschnaufen lässt, bevor der Verzerrer wieder voll aufgedreht wird und man der Wut wieder freien Lauf lässt. Ein gelungenes Stück für all diejenigen, die generell was mit dieser Art anfangen können.

Als ob der Blutharsch nicht schon genug die Genre-Konventionen ins Nirvana schicken würde, bricht man durch die Split mit Our Survival Depends On Us nun vollends mit den Konventionen. Hat man beide Stücke gehört, so fragt man sich, ob das auf die Platte geschriebene I Will Not Obey wirklich nur der Titel des Stücks von Our Survival Depends On Us ist oder ob dieser Slogan nicht vielmehr Programm ist in Bezug auf jedwede Genre-Einordnung. Auf jeden Fall eine interessante Veröffentlichung für Freunde des Verschrobenen!

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Homepage: www.derblutharsch.com
MySpace: www.myspace.com/derblutharsch

Text: Marius Meyer