Zauberer Gandalf überzeugt Thorin Eichenschild davon, den Drachen Smaug vom Berg Erebor zu vertreiben. Diese Unterstützung bei der Rückeroberung der alten Zwergenheimat geschieht jedoch nicht völlig selbstlos: Gandalf will Smaug tot wissen, bevor er möglicherweise gemeinsame Sache mit den erstarkenden Mächten des Bösen machen kann. Thorin seinerseits will den Arkenstein aus dem Drachenhort stehlen lassen, um damit seine Herrschaft als »König unter dem Berge« zu legitimieren. Hobbit Bilbo kommt dabei letztlich die gefährliche Aufgabe zu, den Stein zu entwenden. Normalerweise versuche ich ja, im Rahmen meiner Besprechungen auf sattsam bekannte Phrasen zu verzichten – aber was ist schon normal, wenn Peter Jackson einen Roman von J. R. R. Tolkien verfilmt?

Deshalb: Smaugs Einöde, der zweite Teil der Hobbit-Trilogie, ist eine atemberaubende Achterbahnfahrt aus aberwitzigen Verfolgungsjagden (mit Fässern, mit Loren, mit Ponys) und Kampfszenen, eine epische Bilderorgie vor opulenten Kulissen und einfach ein bombastisches Optik- und Sounderlebnis. Die Stunts und Choreografien sind unglaublich, die Liebe zum Detail enorm, die Kamerafahrten irre. Der Film ist ein echtes (Action-)Feuerwerk. Zurückhaltung sieht definitiv anders aus – und hört sich auch anders an. Was technisch möglich war, wurde auch gemacht. Allein Benedict Cumberbatch als computergenerierter Drache Smaug (im Deutschen brillant synchronisiert von Sascha Rotermund) ist eine Wucht. Kurz: Smaugs Einöde, das sind 160 Minuten, in denen Peter Jackson und Co. dem vielbesungenen »Kind im Manne« aber mal so richtig, richtig, richtig hemmungslos freien Lauf lassen und sich nach Herzenslust austoben. Wer hat, der kann.

Die Handlung bleibt dem gegenüber deutlich zurück. Smaugs Einöde ist über weitere Strecken mehr Matrix als Fantasy, die Story gleicht im Wesentlichen der aus der Herr-der-Ringe-Trilogie: Eine Gruppe von Helden macht sich auf, das Böse zu bekämpfen und wird auf dem Weg zum Ziel auseinandergerissen. Smaugs Einöde fehlen dabei allerdings die nachdenklichen Zwischentöne, die ambivalent-tragischen Figuren und charismatischen Bösewichte, die Jacksons Referenzwerk Herr der Ringe noch hatte. Wie in einem Zombiefilm werden schlicht böse Orks und Riesenspinnen zuhauf gemetzelt.

Da die Buchvorlage des Hobbit zudem in des Wortes wahrstem Sinne dünn ist, muss für die Filmtrilogie außerdem jeder bei Tolkien noch so kurz umrissene Handlungsstrang aufgegriffen und ausgewalzt werden. Und für die obligatorische Lovestory wird mit der Elbin Thauriel gleich noch eine neue Figur geschaffen. Schließlich will der männliche Fantasy-Fan an sich was zum Anschmachten haben. (Evangeline Lilly macht’s möglich.)

Kein Fernseher könnte für Smaugs Einöde groß genug sein. Um die beeindruckenden Bilder in all ihrer Fülle und Pracht erfassen zu können, muss es eigentlich schon ein Beamer – idealerweise gekoppelt an eine anständige Surroundanlage – sein. Aber auch so ist das Finale furioso in Smaugs Gewölbe ein echter Augenschmaus: Dünen aus Gold mit naturgetreuem Fließverhalten, extrem realistische Feuersbrünste und eine halsbrecherische Jagd durch Stollen, Hallen und Gänge – das haut einen um. Da stört auch die eher maue Story, die nur noch in Spurenelementen die Handschrift des ursprünglichen Regisseurs Guillermo del Toro trägt, nicht weiter.

Der Hobbit: Smaugs Einöde
Darsteller:Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Benedict Cumberbatch, Orlando Bloom, Evangeline Lilly
Regie: Peter Jackson
Format: Widescreen
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Warner Home Video – DVD
Spieldauer: 161 Minuten

Text: Mario Nowak