Die Hoffnung, mit der man auf etwas wartet. Das ist es, was Samuel Beckett in seinem Stück Warten auf Godot thematisiert und karikiert hat. Und sich dieses Theaterstück als Namenspate zu suchen, passt für das neue Album der Siegener von Destination Anywhere wie die Faust aufs Auge. Denn man singt von enttäuschten Illusionen, von verlorener Liebe und der Erkenntnis, dass alles, was man bislang gemacht hat, eigentlich gar nicht so toll war und man das, worauf es ankommt, eigentlich verpasst hat im letzten Lied, das dann auch den Namen des Theaterstückes trägt. Das klingt jetzt erstmal bitter, vor allem für eine Band, die Ska-Punk macht und da eher an Sommer, Sonne, Strand erinnert – kurz: die schönen Seiten des Lebens.

Aber so schlimm wird es auch nicht. Destination Anywhere wissen, wie einem das Leben mitspielen kann und verpacken dies so gut, dass sie immer schön den Nerv treffen. Man erkennt vieles wieder: Schon im ersten Lied Wenn du in Castrop-Rauxel nicht glücklich wirst, dann liegt das nicht unbedingt an Castrop-Rauxel geht es um Leute, denen es dort, wo sie sind, nicht gefällt und behaupten, woanders wäre viel besser, doch auch dort werden die Leute etwas zu meckern haben. Besonders Australien ist ja ganz toll oder Ghana, aber „in Ghana lacht dich Jemen an, der Krieg nervt in Afghanistan“.

Das weiß zu gefallen, vor allem, weil die Band in ihren Texten genug Biss hat. So auch in Molekularbiologie, in dem unglückliches Verliebtsein auf den Punkt gebracht wird: „Die Liebe ist wie eine Fahrt in einer Achterbahn, die wegen schlechter Konstruktion zusammenbricht – Du fällst hundert Meter tief mit dem Gesicht auf den Beton – du überlebst doch ziemlich schwer verletzt.“ Besser kann man das kaum ausdrücken. Und auch sonst weiß man mit Worten umzugehen: In Kompaktseminar werden Langzeitstudenten und der Uni-Alltag schön ironisch thematisiert und in Abstellgleis wird noch dem ganzen Optimismus-Zwang eine Absage erteilt, kurz vorm Ende dann noch in Pirat gegen die gleichnamige Partei ausgeteilt.

In Kegelclub wird dann über das triste Leben, bis man sich am Samstagabend mit seinen Kumpels beim Kegeln trifft und aufblüht, gesungen, wobei die Band durchscheinen lässt, dass so ein Lebensmodell doch sehr traurig ist. Und in Facebook wird über das soziale Netzwerk auch nochmal schön abgelästert.

Hier ist Godot ist eine herrliche Abrechnung mit dem Irrsinn des Alltags geworden, die trotz aller Gehässigkeit musikalisch eine heitere Leichtigkeit rüberbringt. Hilft ja alles nichts: Man regt sich drüber auf, aber besser ist es, drüber zu lachen und einfach weiter zu machen – wobei Sich-Drüber-Aufregen ja andererseits auch so viel Spaß machen kann, wie dieses Album beweist…

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Text: Tristan Osterfeld