Im Zuge der Tour zu seinem vierten Album Sacred Heart trat Ronnie James Dios passend benanntes Metalquintett Dio 1986 auch im bekannten Spectrum in Philadelphia auf. Nach all den Jahren liegt endlich die komplette Aufnahme dieses Konzerts vor, das seinerzeit gefilmt und in editierter Form auf VHS und später auf DVD veröffentlicht wurde. Die Neuausgabe gibt das Konzert erstmals in der richtigen Reihenfolge wieder. Auch wurden die Originalbänder einem Remastering unterzogen, sodass hier ein gänzlich neuer Mix vorliegt. Besprochen wird hier allerdings die Doppel-CD-Ausgabe.

Nachdem Ronnie James Dio als erster Sänger von Rainbow bekannter wurde und als Ozzy Osbournes Nachfolger bei Black Sabbath das scheinbar Unmögliche möglich machte und diese Band neu erfand, kam es 1982 dennoch zum Split. Erst seine eigene Band, die er mit dem Sabbath-Schlagzeuger Vinny Appice gründete, hatte über längere Zeit Bestand und war ebenso kommerziell erfolgreich. Das hinter all dem aber keine direkte Fortführung des Black-Sabbath-Sounds steckt, zeigt diese Liveaufnahme mehr als deutlich.

Man fühlt sich viel eher an Rainbow erinnert, aber anstelle der von Ritchie Blackmore durchgesetzten Klassikeinflüsse setzte Dio ein viel leichter zugängliches Melodiegespür, das einerseits den Erfolg der Band erklärt, aber auch zeigt, wie gut die Band an sich harmonierte. Der mittlerweile schon klassische Metalsound bot Dios Gesang genau die Basis, die er brauchte. Ein wenig opernhafte Theatralik gehörte genau so dazu wie schlichtweg großes stimmliches Können. Man hört jedoch, wie die ganze Band durch und durch Spaß hatte und sich selbst zu Höhenflügen antrieb. Dabei bleibt der vermutlich käsige Klang der 80er glücklicherweise größtenteils außen vor. Vinny Appices Schlagzeug klingt sehr knackig und kraftvoll und selbst Claude Schnells simpel betiteltes Keyboard Solo überzeugt mit immer noch geschmackvollen Sounds. Craig Goldys Arbeit an der Gitarre ist dabei ohne Makel, wie auch Jimmy Bains Bassspiel.

Was Dio mit Finding The Sacred Heart vorlegt, ist – kurz gesagt – einfach Spitzenklasse. Hier zeigt sich nicht bloß ein Musiker im Rampenlicht, sondern eine ganze Band. Dennoch hat die Metalwelt 2010 mit ihm einen der besten und sympathischsten Sänger verloren. R.I.P.!

Homepage: www.ronniejamesdio.com
Facebook: www.facebook.com/OfficialRonnieJamesDio
Twitter: www.twitter.com/OfficialRJDio

Text: Wolfgang Merx