Denkt man an italienischen Neofolk, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man denkt an den schrägen, ungeschliffenen und versoffenen Klang von Gruppen wie Ain Soph oder an ernsthafte und handwerklich gut gemachte Musik im Stile von Camerata Mediolanense oder Corde Oblique. Das aus Genova stammende Neofolkprojekt gehört wohl zur zweiten Kategorie und hat mit Storia di una Rondina ihre erste Mini-CD veröffentlicht. Und macht dabei auch sowohl einiges anders als auch deutlich besser als das fast aus derselben Besetzung bestehende Musikprojekt Recondita Stirpe. Dies fängt beim weiblichen Gesang an und endet bei einen deutlich größerem Wiedererkennungswert.

Schon im ersten und der CD namensgebenden Lied bemerkt man dies, welches eine sehr pathetische Stimmung verbreitet und einen beinahe sakralen Klang hat. Das zweite L’ottobre nero di Mosca entfaltet danach die Atmosphäre eines Requiems und ähnelt auch an russische Volksweisen, obwohl der Text italienisch gehalten ist. Deutlich schneller, rhythmischer und kämpferischer kommt dann Nummer drei Il Giorne delle Chimiche brume daher und klingt in etwa so, wie man sich italienische Volksweisen vorstellen würde. Ruhiger, aber dafür weniger eindrucksvoll ist dann auch das letzte Stück Theos aniketos. Hier geht es noch einmal beinahe rituell zu. Loben muss man wirklich den weiblichen Gesang, der beinahe schon mit den ausgebildeten und professionellen Sängerinnen von Camerata Mediolanese mithalten kann. Beinahe auch nur, weil diese mitunter etwas ungeschliffener Klingt.

Alles wunderbar, aber zu erwähnen ist auch eines: Bei Egida Aurea handelt es sich um Neofolk, der gitarren- und trommellastig ist. Und man wird beim Hören immer mal wieder Dinge wieder erkennen, die es schon vorher gab. Ja, es ist alles nicht besonders innovativ und nein, etwas Neues findet man auch nicht. Einige mögen jetzt die Augen verdrehen. Dies ist aber völlig überflüssig, denn erstens beherrschen Egida Aurea ihre Instrumente, zweitens gelingt es ihnen wirklich, Atmosphäre zu schaffen, drittens haben sie eine wirklich gute Sängerin und letzten Endes haben sie auch das, was viele Gruppen in dem Genre selten haben: Wiedererkennungswert.

Ein Fazit zu ziehen fällt da sehr leicht: Alles nichts neues, aber schön. Genremusik, die zwar nicht ganz an die ganz Großen heranreicht, aber dennoch zeigt, wie gute Musik klingen muss.

MySpace: www.myspace.com/egidaaurea

Text: Tristan Osterfeld