Mit Sicherheit ist es nicht falsch, zu behaupten, dass Electric Moon Genie und Wahnsinn in sich vereinen. Größenwahnsinn könnte man es auch nennen, wenn man sich an das letzte Album Inferno erinnert, auf der das gleichnamige Titelstück einfach mal über 50 Minuten dauerte, was selbst für Progrock/Psychedelic-Rock-Verhältnisse lang war, so veröffentlicht die Band nun ein Live-Album, das in Feldkirch in Österreich aufgenommen wurde und das letzte Konzert der Tour darstellte. Und offenbar konnte das Finale nicht gigantischer ausfallen, denn Begriffe wie ein Spacetrip oder halluzinogen wirken fast schon zu plakativ bei dem, was zu hören ist. Mind Explosion ist nicht nur ein Live-Album, es ist eigentlich fast schon eine Gehässigkeit gegenüber dem Hörer, der sich beim Hören ständig ärgert, nicht dabei gewesen zu sein.

Hört man das Album, so fallen mehrere Aspekte auf: Da stand nicht eine Band auf der Bühne, die ihr Programm runterspielt, sondern das Publikum zu einer Art Dialog mit der Band auffordert, das sich dann durch ekstatischen Jubel meldet, während die Orgeln vor sich hinflirren und die Gitarren repetitiv vor sich hin zu wabern scheinen, während der Veranstaltungsort letztendlich in ein eigenes Paralleluniversum gerissen wird.

Vier Lieder, alle mindestens eine viertel Stunde lang, dauert dieser Trip an und führt den Hörer mal durch dichte surreale Klanglandschaften, dann durch meditative und Mantra-artige Klänge, mal schleppend, mal antreibend aber immer so, dass man sich komplett in der Musik verliert und nichts mehr um sich mitbekommt.

Umso brutaler der Aufprall, wenn dann mit dem Titelstück alles vorbei ist, denn wirklich sanft wird man aus dem Album nicht entlassen. Umso mehr zeigt sich jedoch, wie Electric Moon es verstehen, den Hörer völlig abdriften zu lassen. Letztendlich bleibt aber nur die Frage, wie das Konzert für die dort Gewesenen sein musste, wenn das Live-Album einen selber schon so mitreißt…

Homepage: www.electricmoon.de
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Text: Tristan Osterfeld