In den 30er Jahren erforschten die Ethnologen Marcel Griaule und Germaine Dieterlen den afrikanischen Stamm der Dogon. Dabei sollen sie herausgefunden haben, dass die Dogon über fortgeschrittenes astronomisches Wissen verfügten. So sollen sie bereits Wissen über einen den Stern Sirius B und einen weiteren Sirius Begleiter gehabt haben, der erst in den Siebzigern mit modernen Teleskopen entdeckt werden konnte, ohne selber irgendwelche Instrumente besessen zu haben. Die Dogon sollen gesagt haben, sie hätten mit Außerirdischen aus dem Sirius-System Kontakt gehabt haben. Diese Forschungsergebnisse von Griaule konnten jedoch von anderen Wissenschaftlern nicht bestätigt werden.

Mittlerweile ist auch erwiesen, dass die Informationen auf methodisch fehlerhaften Befragungen basierten und astronomisch konnten die Ergebnisse über Sirius in der Form auch nicht bestätigt werden. Dennoch ist diese Geschichte zu einem modernen Mythos geworden, dem sich das vorliegende Album widmet.

Als Hörer begibt man sich auf eine rituelle Reise, die einen passend zwischen Afrika und dem Kosmos hin- und herschwanken lässt. Die rituellen Klänge vermitteln dabei das Gefühl, als würde man bei okkulten Stammesbeschwörungen zusehen, immer unter der Gefahr, entdeckt und geopfert zu werden. Die Beschwörungen in einer nicht verständlichen Sprache tun dazu ihr übriges und im Laufe des Album erklingt immer wieder ein Gong, verzerrte Chorale sind zu hören, Geräusche von Flammen zusammen mit dem verzerrten Geschrei von Menschen, das einen eine Ahnung davon bekommen lässt, was gerade passiert.

Sehr geschickt wird auch mit der Phantasie des Hörers gespielt: Man weiß nicht, was kommt, aber die Angst davor was kommen könnte ist das, was wirklich schlimm. So schafft es Emme Ya, das Album durchgehend Spannung zu erzeugen – es scheint sich alles nur um die Ruhe vor dem Sturm zu handeln.

Irgendwann fühlt man sich vor der Größe des Alls und des scheinbar gigantischen klein und unbedeutend. Wer H.P. Lovecrafts Geschichten kennt, wird nun noch besser erahnen können, wie sich die meisten der Protagonisten in seinen Geschichten gefühlt haben müssen. Ein fantastisches Album – mit Sicherheit eines der besten Dark Ambient/Ritual-Alben dieses Jahres.

MySpace: www.myspace.com/sunbehindthesun

Text: Tristan Osterfeld