Es wird behauptet, dass das dritte Album einer immer das schwierigste ist. Spätestens dann sollte eine Band zu ihren eigenen Sound gefunden haben und musikalisch ausgereift sein. Man kann es sich natürlich noch schwieriger machen, indem man eben noch ein schwieriges Album veröffentlicht. Und genau das haben Epitimia mit ihrem dritten Album Faces of Insanity gemacht. Hört man das Album zum ersten Mal, fallen einem mehrere Einflüsse auf: Depressiver Black Metal und Folk sind zu hören – eine Kombination, die düstere und feindselig wirkende Wälder vor dem inneren Auge auftauchen lässt. Postrock ist ebenfalls zu hören und sorgt zusätzlich für interessante Momente.

Mit der Zeit aber scheint das Album doch nicht so überzeugend zu sein, wie man zu Beginn den Eindruck hatte. Die Einflüsse gehen an sich in Ordnung, wirken aber nicht immer ganz aufeinander abgestimmt.

Das ist aber nicht das Problem, dieses liegt an anderer Stelle. Denn immer wieder taucht sie auf: Die Langeweile. Das liegt vor allem an den vielen Passagen, die viel zu lange dauern und man auch nicht gebraucht hätte. Viele herkömmliche Riffs und uninspirierte Passagen wechseln sich mit wirklich gelungenen Momenten ab: So beginnt das Album mit beschwörerischem Frauengesang, auf Jamais Vu hört man im Mittelteil ein tolles Gitarrensolo und das schleppende Altered Consciousness ist ebenfalls gelungen. Rorschach Inkblot langweilt zu Beginn mit Geschrammel, bis man gegen Ende dann melodisch und verspielt wird.

Warum macht die Band nicht durchgehend so gute Passagen? Zu oft wird man mit Nichtigkeiten genervt, die nicht notwendig gewesen wären. Dabei beweisen Epitimia, dass sie gute Musik machen können. Das Problem scheint auch nicht die Unfähigkeit zu sein. Eher macht das Album einen unfertigen Eindruck, was eigentlich sehr schade ist. Ob man das Album dennoch zu schätzen weiß oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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Text: Tristan Osterfeld