Vor guten 20 Jahren unterschrieb Falco einen Vertrag mit der EMI, nachdem sein Album Data de Groove sich als kommerzieller Flop erwies (legt man die Maßstäbe eines Falco an). Die Zeit für einen neuen Versuch war da, mit frischem Elan erschien 1992 das Album Nachtflug, das siebte Studio-Album und dabei auch das letzte, das zu Lebzeiten von Johann Hölzel, so Falcos bürgerlicher Name, veröffentlicht wurde. Etwas verspätet zu diesem Vertragsjubiläum erscheinen nun die Alben Nachtflug und Out of the Dark (Into the Light) in remasterten Versionen plus Bonus-CD noch einmal und unterstreichen, wie bedeutsam Falco für die Musikwelt eigentlich war und noch immer ist.

Als Opener fungiert hier die erste Single Titanic, ein Stück von Falco über die Themen Untergang und Dekadenz, das einen deutlich erstarkten Falco zeigt. Mit tanzbar-poppigen Klängen und Einflüssen typisch Wiener klassischer Musik, aber auch Gitarrensoli hat man hier einen Künstler vor sich, der mit innovativen Klängen große Erfolge feiern konnte. Die Form von Titanic wird auf Albumlänge gehalten und Falco zeigt auf dem Album jegliche Facetten seines Könnens, die ihn immer ausgemacht haben. In Monarchy Now beispielsweise taucht auch der eigenwillige Sprechgesang auf, der zum Markenzeichen wurde.

Auch die Vielseitigkeit des Albums spürt man auch 20 Jahre später noch deutlich. Psychos mit seinem groovenden Charakter und dem unverwechselbaren Dialekt zeigt auch Einblicke in Falcos Lebenswandel – oder den, der ihm nachgesagt wurde („You got to say yes to another Exzess“). Oder auch Yah – Vibration, bei dem Falco mit Reggea-Anleihen arbeitet. Das reguläre Album endet dann mit dem Titeltrack Nachtflug, das einen sehr entspannten Grundcharakter bietet und den Eindruck erweckt, als sei hier jemand ganz im Einklang mit sich selbst gewesen.

Als zweite CD wurde dann noch ein Schwung Remixe zur remasterten Album-Version beigelegt, die allerdings nur Dance Mephisto, Titanic und Monarchy Now berücksichtigt, wobei vor allem Titanic mit neun Versionen im Mittelpunkt steht. Mit Dance-Versionen, einer Ragga-Version und vielen weiteren Varianten von Titanic und den anderen beiden Songs kann man den Titeln zwar viele neue Facetten abringen, fühlt sich aber am Ende doch etwas überrollt. Im Mittelpunkt steht hier ganz eindeutig das Album Nachtflug selbst – und das kann 20 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch immer mehr als überzeugen.

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Text: Marius Meyer