Zwischen Nachtflug und dem Nachfolger Out of the Dark (Into the Light) von Falco lagen tatsächlich etwa sechs Jahre. Zwar erschien 1995 noch die Single Mutter, der Mann mit dem Koks ist da unter dem Pseudonym T»MA, das mit seinem technoiden Stil ein überraschend großer Erfolg wurde, die folgende Dancenummer Naked als Falco feat. T»MB floppte jedoch zumindest in Deutschland so, dass Falco die Arbeiten für das neue Album erst einmal nach hinten schob. Dass Falco selbst den Erfolg dieses Albums nicht mehr miterleben durfte, hat eine große Tragik, war es doch ein großer Erfolg wie lange nicht. Nun erscheint das Album im späten 2012 noch einmal als remasterte Neuauflage mit Bonus-CD.

Herzstück des Albums ist hier die titelgebende Single Out of the Dark, das oft als Hinweis auf einen eventuellen Selbstmord Johann Hölzels gesehen wurde, was allerdings falsch ist, da der Song viele Jahre früher geschrieben wurde und dies auch nicht von Falco selbst. Dennoch passte es zu seiner Veröffentlichung gut zur Situation („Muss ich denn sterben, um zu leben?“). Eine melancholisch-gefühlvolle Nummer mit viel Moll, die Falco abermals als Herzblut-Musiker zeigt und dazu noch ein hochkarätiges Gitarrensolo enthält. Auch die zweite Single Egoist (ursprünglich der Titeltrack, da das Album mit dem Titel Egoisten geplant war). Eine selbstironische Nummer auf sich selbst, die hier begegnet, einpackt in schwungvolle Popklänge mit samt Rap-Einlage.

Das weitere Album ist indes eher elektronisch geprägt, wie auch schon die beiden eingangs erwähnten Titel zeigen. Aber auch der technoide Touch von Stücken wie Mutter, der Mann mit dem Koks ist da steht dem Wiener gut zu Gesicht. So gibt es auch eine neue Version von Der Kommissar (hier als Der Kommissar 2000), das elektronisch geprägt teilweise sogar an Kraftwerk erinnert. Beim Titel Cyberlove passt die Elektronik hervorragend zum Text, in dem es unter anderem heißt „ich liebe dich im Internet, Computer-Sex im Online-Bett“. Eine kritische Interpretation des damals noch recht jungen Internets, wenn man so will.

Zusätzlich gibt es noch die zweite CD, die insgesamt 70 Minuten Remixe enthält, wobei hier zu hinterfragen ist, ob wirklich jemand zum Beispiel acht Male hintereinander Naked oder auch vier Versionen von Push! Push! hört. Wie man es auch dreht: Das eigentliche Album ist Grund genug, es sich ins Regal zu stellen. Hört man sich die Form an, in der Falco zum Entstehen dieses Albums sich offenbar befand, wären ihm sicherlich noch viele Erfolge gelungen. So ist es leider ein Abschieds-Album wider Willen geworden. Korrigiere: Ein sehr hochkarätiges Abschieds-Album!

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Text: Marius Meyer