Man muss sich wirklich wundern und so richtig verstehen kann man es auch nicht, was Faun sich gedacht haben, als sie ihr neues Album Von den Elben produzierten. Keine Frage, man hat es sich durchaus selber schwer gemacht, nachdem man mit Eden ein Album herausbrachten, das einfach genial war. Aber selbst wenn man kein zweites Eden erwartete und sich im klaren war, dass ein neues Album an dieses nicht heranreichen würde, so muss man selbst, wenn man Faun bislang immer zu schätzen wusste, über Von den Elben erst einmal schockiert sein. Der Schock mag sich mit der Zeit legen, aber ein sehr bitterer Beigeschmack durchzieht Von den Elben leider mit jedem Hördurchgang.

Ja, das Mittelalter liegt derzeit im Trend, seien es die Verfilmungen der Ken Follett-Bücher Die Säulen der Erde und die Tore der Welt, die Charterfolge von Subway To Sally oder In Extremo. Aber muss man als eine Band, die vor allem durch ihre subtile Anmut und ihre doch gründliche Beschäftigung mit Sagen und Legenden sich auch in derartig plakative Gefilde bewegen, um auch ein Stück vom Kuchen abzubekommen? Wenn man jedenfalls etwas produzieren wollte, dass RTL und Pro7 Zuschauer fürs Mittelalter halten, ist dies gelungen.

Okay, seien wir fair… Das, was Faun ausmacht, ist geblieben: Die märchenhafte Atmosphäre, die verträumten Lieder, aber irgendwie wirkt alles deutlich aufdringlicher – da singt man davon, sich heimlich mit dem liebsten zu treffen (Mit dem Wind), was schon nicht so originell ist. Immerhin schaffen Faun es aber dennoch, jede noch so abgeschmackte Thematik noch so gut zu verarbeiten, dass man die Lieder dennoch gerne hört. Dann aber Mit mir ein Duett ausgerechnet mit den Mittelalterschlager-Seemännern von Santi Ano, musste das sein? Gut, das Lied ist an sich nicht übel, aber es will einfach nicht zu Faun passen. Und eher vermutet man, dass eher Gründe der Massentauglichkeit als Gründe des „Mal-was-neues-Vrsuchen“ den Ausschlag gaben. Genau so Schrei es in die Winde, das vom Text her an diverse seichte Deutschrock-Verbrechen mit weiblicher Sängerin aus Ostdeutschland erinnert.

Da funktioniert Minne Duett mit Eric Fish, das im Grunde Subway To Sallys Minnesang mit erweitertem Text darstellt, besser. Ansonsten gibt es viele Lieder, die schön anzuhören sind: Ruhige Saiteninstrumente erklingen, Flöten sind zu hören, aber alles deutlich poppiger als früher. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, ist es auch nicht, aber dafür vermisst man zumindest ein oder zwei traditionelle Texte, wie es sie auf früheren Alben gab.

Nun gut, Von den Elben bleibt trotz allem ein Album, bei dem so manche Mittelalterband froh wäre, wenn sie so etwas ansatzweise hinbekommen würde. Dennoch muss man einfach festhalten, dass Faun es schlicht und ergreifend besser können und das mehr als einmal schon bewiesen haben. Ob man für den Erfolg sein Niveau derart runter schrauben muss, sollte jeder für sich beantworten und mit Sicherheit werden sich einige alte Fans (zu Recht) über dieses Album beschweren. Abschließend bleibt Von den Elben zwar ein schönes und gut gemachtes Album, Faun haben sich aber eindeutig unter Wert verkauft.

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Text: Tristan Osterfeld