Der Blick in den Briefkasten ist ja sowieso immer eine Überraschung für sich. Man weiß nie, was drin ist und immer wieder weiß er, einen ratlos zurückzulassen. Sei es wegen riesiger CD-Mengen, wegen nicht ankommender CDs oder eben dann, wenn etwas drin ist, was man zunächst so gar nicht einordnen kann. So wie Feeding Fingers: Zwar lag ein Beiblatt dabei, dort aber war bloß ein Verweis auf die Homepage, die Genre-Einordnung „Rock/Pop“ und der Erscheinungs-Termin. Nun wissen wir alle: „Rock/Pop“ heißt genau so viel wie „alles und nichts“. Die CD eingelegt, fühlt man sich dann aber auf einmal gar nicht wie „05. Oktober 2010“, was das Erscheinungsdatum ist, sondern fühlt sich sehr old school.

Es ist so ein verrauschtes Lo-Fi-Element zu hören, bewusst kratzig gehaltene Gitarrensounds und ein verhangenes Element, das einen in den Gothic Rock der 80er zurückversetzen möchte. Und wenn dann noch Zeilen wie „I’m just no fun for anyone but me“ dazukommen, wie in I Am A Brutal Little Boy, kann es da eigentlich nur eine Erklärung für geben: Hier ist jemand großgeworden mit den Klängen der frühen Cure, Bauhaus und co. Es begegnet prototypischer Gothic Rock, der gar nicht erst versucht, modern zu sein, sondern sich ganz bewusst an das Damals anlehnt, das sich schließlich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Ein Song wie Vestigial Life geht auch von der Gesangsart und Stimmlage her arg in Richtung Robert Smith.

Also doch noch einmal ein Blick auf das Info-Blatt: Das hier ist also wirklich kein Re-Release? Nein. Es ist in der Tat das dritte Album der Feeding Fingers. Man könnte meinen, man habe hier unentdeckte Aufnahmen des traditionellen Old School Gothic Rocks entdeckt. Aber tatsächlich haben wir es hier mit einer aufstrebenden Band zu tun, die viel zu unentdeckt ist. Wer sich das hier durchliest und sich irgendwie angesprochen fühlt, ist also herzlich dazu eingeladen, mitzuhelfen, diese Unentdecktheit zu beenden.

Homepage: www.feedingfingers.com
MySpace: www.myspace.com/thefeedingfingers

Text: Marius Meyer