Was haben wir denn da? Eine Pyramide, über der eine Weltkugel schwebt und ein nach eigenen Angaben mehrdeutiger Titel: Man kann zu den Erinnerungen des eigenen Lebens tanzen, die sich zu Bildern formieren und sich zu einem Berg anhäufen, von dem man auf sie herabsieht. Sehr philosophisch und gleichzeitig gibt es noch Konsumkritik in Form eines Liedes namens Black. Deswegen auch die Pyramide, auf der die Weltkugel balanciert und den Neoliberalismus repräsentieren soll. Hier schrammt man natürlich gefährlich nah an Verschwörungsparanoia lang, jedoch scheint das gar nicht so relevant zu sein. Denn das Album funktioniert genau dann am besten, wenn man einfach jegliche Botschaft ignoriert und sich auf die Musik konzentriert.

Diese kann wirklich was, auch wenn diese leider auch nicht ohne ein „Aber“ bleibt. Man gibt sich vielseitig: Die Reise beginnt mit Ethnoklängen, wie auch Wintergrau. Anchor und Brainloop bewegen sich ganz gefällig in Deathrock-Gefilden. The Earth mit prophetischem Gesang und Synthie-Melodien ist auch ein gutes Stück und Wintersong erklingt instrumental mit Klavier und Streichern. Das Konsum-kritische Black weist dagegen HipHop-Elemente auf und muss ausgerechnet auf Deutsch sein, sodass man sich dann doch auf den Text konzentrieren muss, funktioniert aber sonst gut. Schön unterkühlt und melancholisch sind auch Erinnerung und The Merrow. Auch die Sänger machen gute Arbeit, egal ob männlich oder weiblich, ob gemeinsam oder nacheinander.

Kommen wir nun zu dem „Aber“: Das dünne Konzept mag man ignorieren können, nicht aber, dass das Album einfach durchläuft und langfristig nicht hängen bleiben will, weil einfach große Momente fehlen. Es läuft durch, ist schön zu hören, das war es aber auch.

Mit Sicherheit ist Felsenreich keine schlechte Band, aber wenn so konsequent vermieden wird, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist das aufgrund der an sich guten Musik sehr schade. Man würde ja auch gerne sagen bei zukünftigen Alben wird das noch gelingen, da Tanz auf dem Bilderberg jedoch bereits das vierte Studioalbum ist, sollte man da auch keine großen Hoffnungen haben. In Noten ausgedrückt wäre es die 3+, die in der Schule schon nervig war, weil im Grunde nichts falsch war, aber auch nichts wirklich grandios.

Homepage: www.felsenreich.de
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Text: Tristan Osterfeld