Vier Jahre ist es her, seit das letzte Album von Florence Welch veröffentlicht wurde, welches in den UK Platz 1 und in vielen weiteren Ländern die Top 10 der Albencharts erreichen sollte. In dieser Zwischenzeit hat die Britin versucht, ihr Leben ganz normal zu leben, ohne ständiges Touren und Promotion. Ihr war es wichtig auf einem neuen Album Lieder zu veröffentlichen, die persönlich sind, im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, die von eher philosophischen Themen leben. Sie fand sich in Beziehungen, die irgendwann nicht mehr funktionierten, verliebte sich und lebte ein alltägliches Leben. All das hat sie in ihrem neuesten Werk verarbeitet. How Big, How Blue, How Beautiful ist, vielleicht gerade deshalb, unglaublich stark, strotzt vor Kraft, während es an anderen Stellen wieder leise und verletzlich klingt.

Entsprechend ist der Einstieg direkt eines der kraftvollsten Lieder: Ship to Wreck zeigt Florence in ihrer besten Form. Musikalisch und besonders stimmlich merkt man schnell, dass sie in den letzten Jahren kein bisschen eingebüßt hat. Auch das folgende What Kind Of Man ist typisch Florence. Ein ruhiger Beginn, bevor ein simples, aber ausdrucksstarkes Gitarrenriff den Ton angibt und das Lied zu einer Indierock-Hymne macht. Dann folgt der Titeltrack des Albums, einer der atmosphärischen, welcher mit sehr passenden Bläsern punkten kann, vor allem zum Ende hin. Auch Queen of Peace beweist Welchs stimmliche Variation und ihr Können, einer flotten Melodie noch eine gewisse Melancholie zu verleihen. Various Storms & Saints ist das ruhigste Lied auf How Big, ohne schnelle E-Gitarren oder drängende Drums. Delilah ist ein Lied, das genauso auch auf Ceremonials hätte sein können, hier schraubt Miss Welch ihre Stimmt mal wieder in die Höhe, wechselt zwischen Lead- und Backgroundgesang und gibt ihren Zuhörern so ein Lied, zu dem man sich einfach bewegen muss. Auch Long & Lost schaltet wieder einen Gang runter und bedient sich instrumentell nur einer Gitarre. Mit Caught folgt hierauf ein Mittelding, vielleicht gerade deshalb eines der untypischsten Lieder der LP, ebenso wie Third Eye, aber aus einem anderen Grund: Letzteres erinnert aufgrund des Hintergrundgesangs eher an einen klassischen Popsong, auch wenn natürlich der typische Florence-Stempel nicht fehlt. St. Jude ist das letzte ruhige Lied, gefolgt von Mother, welches den Zuhörer wieder an den Anfang von How Big, How Blue, How Beautiful zurückführt, mit seinem krachenden, starken, typisch-Florence-mäßigem Refrain, der das Album perfekt abschließt.

Florence Welch ist also mit ihrem neuesten Werk ein gutes Stück gewachsen, was man ebenso von ihren Songs sagen kann. Nicht nur für Fans eine uneingeschränkte Empfehlung.

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Text: Alexander Mann