In der chinesischen Medizin werden Meridiane als Knotenpunkte für die Lebensenergie bezeichnet, die zusammen im Körper ein Netzwerk bilden. Jeder Bereich ist dabei für etwas anderes verantwortlich, letztendlich bildet sich doch eine Einheit. So kann das Album dann auch zusammenfassend bezeichnet werden, das durch seine Spielzeit einen roten Faden durchzieht und ein Gesamtbild entstehen lässt, sich dabei aber musikalisch immer wieder wandelt und doch immer ähnliche Assoziationen im Kopf erzeugt. Diese Assoziationen bewegen sich zwischen Film Noir, surrealen Roadmovies und Filmen, die irgendwo im Halbweltmilieu angesiedelt sind und durch Zeitlupenszenen und Verfremdungseffekte gekennzeichnet sind.

Auf dem Weg durch das Album entdeckt man dann Soundarrangements, die an Brian Eno erinnern, spacige Stücke wie Glider, rhythmische Passagen, wie Excelsior oder das pulsierende Only when your eyes are closed. Esoterisch wirkt dagegen Ghost of a smile.

Meridians ist ein Album, das mit Fragmenten arbeitet, eines, in dem elektronische Sounds mit Samples vermengt werden, die aus ihrem ursprünglichen Kontext genommen wurden und in der Form niemals an ihren Ursprung zurück zu setzen sind. Gleichzeitig wird innerhalb der einzelnen Stücke immer wieder mit Brüchen gearbeitet: Sobald man sich an den Fluss eines Liedes gewöhnt hat, tauchen disharmonische Elemente auf, die entweder wieder verschwinden oder sich langsam so in den Sound integrieren, dass sie nicht mehr störend wirken. Das jedoch muss der Hörer selber tun, da man selber dafür verantwortlich ist, sich auf dem Album zurechtzufinden, was dazu führt, dass man sich auch mitunter in diesem verliert.

Franz Kirmann, der ebenfalls bei Piano Interrupted mitwirkt, zeigte schon bei dem Projekt, wie man interessante Musik machen kann, die Auseinandersetzung erfordert. Auch Meridians ist so ein Album geworden. Mag es zunächst noch nach einem gewöhnlichen Ambient-Album klingen, je tiefer man sich in den Sound wagt, umso mehr wird man Details erkennen und umso tiefer wird man in das Album eintauchen können…

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Text: Tristan Osterfeld