Es klingt wie ein Pop-Musikmärchen aus vergangenen Zeiten, als Stars noch entdeckt und nicht gemacht wurden. Der 26-jährige Georg auf Lieder, Sohn einer Bolivianerin und eines Deutschen, wurde nach zwei Jahren als Straßenmusiker auf dem Berliner Alexanderplatz und einer handvoll YouTube-Videos entdeckt und brachte nun am 22.08.2014 bei Polydor/Island sein erstes Album, eben Alexanderplatz, heraus. Georg auf Lieder hat Alles auf die Karte Musik gesetzt. 2001 entdeckte er bei einem Südamerika-Aufenthalt die Gitarre für sich und brach anschließend zurück in Hamburg mit siebzehn Jahren die Schule ab, um sich ganz auf die Musik zu konzentrieren.

Wahrlich ein gewagtes Unterfangen, das den jungen Mann nach vielen Rückschlagen schließlich 2011 als Straßenmusiker auf den Berliner Alexanderplatz spülte. Dieser beinahe mythische Ort ist Insel für Gestrandete, Endstation für Gescheiterte und Aufbruchsort für Outsider gleichermaßen. Hier erspielte sich Georg auf Lieder mit selbstgeschriebenen Stücken zur Gitarre viele Fans.

Die „dringend nötige Horizonterweiterung“ und entbehrungsreiche Zeit machte den Singer/Songwriter „selbstbewusster – und auch dankbar. Man schätzt das Leben viel mehr. Vor Wildfremden zu spielen ist eine harte Schule. Freunde schmeicheln gern, weil sie einen nicht verletzen wollen, doch irgendwelche Passanten müssen ja nicht lügen. Wenn man gut ist, bekommt man das sehr deutlich zu spüren. Und auch, wenn man nicht so gut ist.“ Georg auf Lieder war gut. Rea Garvey und die Stranglers gingen mit dem Straßenmusiker auf Tour, Selig-Gitarrist und Produzent Christian Neander und Michael Tibes verhalfen Alexanderplatz in den Fuzz Factory Studios auf die Welt.

In seiner Zeit auf dem Alex hat Georg auf Lieder gelernt, „dass ich etwas mitzuteilen habe. Es kann manchmal verdammt hart sein, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Manchmal haben meine Songs ein Happy End, manchmal auch nicht. Die Botschaft lautet immer: Zieh‘ einfach durch und mach dein Ding“. Dem Motto und der Lebensgeschichte des Künstlers entsprechend kommen die Stücke des Albums sehr emotional und persönlich daher. Den klassischen Singer/Songwriter-Gestus verbindet Georg auf Lieder mit frischem, professionellem Sound. Die Gitarre wird elektrisch gespielt, aber kaum verzerrt, federnde subtile Bass-Linien und flotte Drums, fertig ist der bodenständige Folk-Rock.

Alexanderplatz enthält elf Stücke, die mal in impressionistischen Stimmungsbildern aus dem Kosmos Großstadt, mal melancholisch von den Auf und Abs des Lebens erzählen. Musikalisch ist das wenig innovativ, aber dennoch abwechslungsreich und mitunter tempo- und energiegeladen. Was Georg auf Lieder von anderen jungen deutschen Liedermachern unterscheidet, ist die klare Sprache, die ehrliche Attitüde mit Texten, die sich mehr mit dem Leben beschäftigen, als mit emotionaler Nabelschau. Seine Singer/Songwriter-Kunst kommt ohne bornierten Intellektualismus, ohne verquaste Sentimentalität aus und verfügt über eine gute Portion Vorwärtsdrang. Sollte Georg auf Lieder von der Hamburger Schule beeinflusst sein, so hat er deren bisweilen nervtötenden bürgerlich-studentischen Habitus im Selbstmitleidsjargon in seinen Jahren auf dem Berliner „Alexanderplatz“ in jedem Fall abgestreift. Gut so.

Infos: www.universal-music.de/georg-auf-lieder/diskografie/detail/product:211526/alexanderplatz
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Text: Mirco Drewes