George Harrison wurde immer als „stiller“ oder „dritter Beatle“ bezeichnet und damit tat man ihm wie so vielen Künstlern Unrecht. Er war nicht nur einer der besten Gitarristen der damaligen Zeit, er schaffte es auch in der Zeit nach den Beatles, mit hervorragenden Soloalben aus dem Schatten der Oberbeatles John Lennon und Paul McCartney herauszutreten und sich mit ihnen auf eine Stufe zu stellen. Jetzt erscheint mit The Apple Years 1968–1975 eine Box mit den ersten Soloalben des George Harrison, die auf dem legendären und auch nicht immer wirtschaftlich geführten Beatles-Label „Apple“ veröffentlicht worden sind. Wir haben uns mit zwei Alben dieser Box beschäftigt und sie genauer unter die Lupe genommen.

Mit All Things Must Pass erscheint 1970, nach den beiden Instrumentalalben Wonderwall Music und Electronic Sound, das erste Harrison-Album mit Gesang und es beinhaltet sogar eine Nummer, die ein Welthit wurde. My Sweet Lord, das sich nicht nur in England und den USA, sondern auch in den deutschsprachigen Ländern auf der Pole Position wiederfand, ging nicht nur wegen des immensen Erfolgs in die Rockgeschichte ein. Es war auch der erste Fall, der vor Gericht ging, da sich die US-Band The Chifons bestohlen fühlte, da deren Song He’s so fine eine derart große Ähnlichkeit mit My Sweet Lord hatte, dass ihnen im ersten Plagiatsprozess der Musikgeschichte Recht gegeben wurde und das Gericht Harrison zu einer schmerzenden Strafe verurteilte.

Neben My Sweet Lord, was man hier nochmal in einer im Jahr 2000 entstandenen Version hören kann, stehen noch 26 weitere Songs auf der Tracklist von All Things Must Pass. Viele interessante Nummern wie I’d have you anytime und natürlich die zweite Single What is life zeichnen dieses 3-LP starke Album auch heute noch aus. Für den Fan relevant ist auch der Apple Jam, der das Album abschließt.

Sohn Dhani Harrison und Paul Hicks gaben sich viel Mühe und so wurde nicht nur All Things Must Pass, sondern auch die anderen fünf Alben, Wonderwall Music, Electronic Sound, Living In The Material World, Dark Horse und Extra Texture (Read All About It) remastered und durch zahlreiche Bonustracks und Liner notes aufgewertet.

Mit Dark Horse aus dem Jahre 1974 schaffte es George Harrison nicht, trotz der Unterstützung von Eric Clapton, Ringo Starr, Ron Wood, Steve Winwood, Billy Preston und unzähligen anderen erstklassigen Musikern an den Erfolg der beiden Vorgänger anzuknüpfen. Trotz der zwei Singles Dark Horse und Ding Dong, Ding Dong, die sich mehr schlecht als recht verkauften, bietet Dark Horse einige wunderbare Titel und die Anschaffung lohnt sich – der Rest der Werke entweder als Box oder separat auf Einzel-CDs natürlich auch.

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Rezension: George Harrison – Living In The Material World

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Text: Dennis Kresse