Once-Star und Oscar-Gewinner Glen Hansard meldet sich drei Jahre nach dem Solo-Debüt mit neuem, zweitem Album zurück. Didn´t He Ramble erscheint bei Anti-Records und legt Zeugnis von der Entwicklung des Frames-Frontmannes als Singer-Songwriter ab. Entstanden ist ein wunderbares Folkalbum, kraftvoll und zartfühlend gleichermaßen. Dass Glen Hansard, der ehemalige Straßenmusiker aus Dublin, ein ebenso gefühlsbetonter wie mitreißender Sänger in den Stilrichtungen des Rock und Folk ist, beweist er seit 1990 mit The Frames. Die Band hat sich als Alternative-Folk-Formation einen Namen gemacht, 2007 tourte man mit Bob Dylan. In der ersten Liga kam man dennoch nie ganz an. Nach dem letzten Album von 2006 kam lange nichts mehr. Hansard ging eigene Wege.

Mit den Swell Seasons, als die Glen Hansard und die tschechische Sängerin und Schauspielerin Marketa Irglova im Frühjahr 2008 ihr gemeinsames Debüt veröffentlichten, begann der späte Durchbruch des damals 38jährigen. Die Hauptrollen im kleinen Musikfilm Once und der Soundtrack brachten den Oscar für den besten Filmsong und Ruhm über Nacht.

Nachdem das letzte Swell Seasons-Album Strict Joy 2009 nicht an den großen Erfolg des Vorgängers anknüpfen konnte und sich privat die Wege trennten, war es um das Duo geschehen, um Hansard wurde es ruhiger. 2012 veröffentlichte der Ire mit Rhythm and Repose schließlich sein gelungenes Solo-Album und leitete die Emanzipation jenseits der Frames ein, mit denen er 2015 nach neun Jahren Pause ebenfalls ein neues Album vorlegte. Didn´t He Ramble gibt eine Antwort auf die Frage, wie ambitioniert die Solo-Pläne Hansards wirklich sind.

Diese fällt eindeutig aus: Glen Hansard hat auf Didn´t He Ramble seine Sprache, seine Form gefunden. Sein neuer Wurf fällt verbindlicher, greifbarer und berührender aus als der Vorgänger. Das Songwriting ist reifer geworden, die Kompositionen sind anspruchsvoll und dennoch klar und eingängig. Basierend auf geradlinigem Gitarren-Folk wurde an den Arrangements gefeilt. Dosiert eingesetzt sind eine Reihe von Bläsern dazugekommen, die den Songs Tiefe und eine launige Indie-Note geben, Piano und Orgel setzen stimmige Akzente.

Das gesamte Album klingt rund und organisch, aus einem Guss, es findet sich auf Didn´t He Ramble nichts Überspanntes, nichts Halbherziges. Hansard hat dem Gefühl Ausdruck verliehen, auf der Suche nach den neuen Songs wirklich tief gegraben zu haben und dass er glücklich sei, seine Stimme auch in den kleinen Gesten des Albums zu finden. Dies ist sehr nachvollziehbar. Es ist ein sehr beseeltes Album entstanden, welches sich nicht in Privatheit verliert, sondern seine Emotionalität in dramatische, zartfühlende und so ehrliche wie sublime Songs gießt. Ein großes Folkalbum, das nicht nur im Ganzen funktioniert, sondern auch glänzende Highlights enthält.

Winning Streak, die erste Single ist ein wahrlich gewinnendes Stück munter rollenden Folkrocks mit Sogwirkung, ein Titel mit echtem Hitpotential. Das folgende Her Mercy beweist Hansards Gabe des emotionalen Wütens ohne Preisgabe der Repräsentativität der Form. McCormacks’s Wall hätte von Elton John sein können, von einem Elton John jenseits der Schmalzpflicht und der Furcht vor zu viel Eigensinn, der in diesem Fall ein eindeutig Irischer ist.

Die Besinnung auf die Formensprache irischer Musik, der Mut den Rock vom Motor zur Metapher zu beschneiden, wirkt befreiend. Hansard scheint sehr bei sich und präsentiert sich in allen Gefühlslagen ausdrucksstark. My little Ruin ist eine kraftvolle Hymne der Selbstbehauptung, die sich auf so mancher Mix-CD finden wird, sofern man zu den altmodischen Musikliebhabern gehört, die dem Hobby des privaten Zusammenstellens nachgehen.

Fazit: Didn´t He Ramble ist ein absoluter Volltreffer. Glen Hansard setzt mit dem neuen Album nicht nur ein großes Ausrufezeichen hinter seine Singer-Songwriterambitionen, sondern legt eines der besten Alben des Jahres vor. Diese Scheibe wird man auch in zehn Jahren noch gern spielen!

Ein Besuch der Tour ist unter den aktuellen Umständen dringend zu empfehlen.

Die Termine:

07.10.2015 Hamburg, Docks
08.10.2015 Berlin, Admiralspalast
10.10.2015 Leipzig, Täubchenthal
12.10.2015 Köln, Live Music Hall
17.10.2015 Wien (AT), Wiener Konzerthaus
19.10.2015 München, Kesselhaus

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Rezension: Glen Hansard – Rhythm and Repose

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Text: Mirco Drewes