Eine gewisse unfreiwillige Komik verbreiten Gletscher, die aus zwei Zürichern und einer jungen Dame aus Brooklyn bestehen. Denn während die zwei Herren für die Instrumente zuständig sind, singt die junge Dame auf Deutsch mit einem sehr starken Akzent. Zum Glück ist dieser etwas seltsame Eindruck schnell vorbei und man hört stark hypnotischen Post/Prog Rock, der vom Pressetext als leicht zugänglich beschrieben wird, für jene die Neugierig sind. Das mag in gewisser Weise auch stimmen, umso schwerer ist es aber, aus der Musik wieder rauszufinden, denn Gletscher scheinen ihren Namen sehr ernst zu nehmen und überrollen den Hörer gerade zu Beginn immer wieder mit Gitarrenlawinen, zu denen die Sängerin mit einer Stimme singt, die irgendwo zwischen beschwörerisch, manisch und apathisch liegt.

Devout fesselt den Hörer, was dann auch das zweite Stück, der Namensgeber des Albums, beweist. Immer wieder erklingen Riffs gegen den Strich gebürstet, obwohl das Grundgerüst eher vertrackter Prog Rock sein soll, der sich hier in einer Abwärtsspirale zu befinden scheint. Auch der Rest des Albums überrascht den Hörer immer wieder durch Doom-Einflüsse in Vessel oder fast sphärisch in Owl Man.

Devout ist ein Album, das leicht zugänglich sein mag, den Hörer aber – sobald er sich drauf eingelassen hat – auf eine surreale Reise durch ein Labyrinth schickt, dessen Form sich ständig zu ändern scheint und alles dennoch ähnlich aussieht und aus dem man nach mehreren Durchgängen keine Orientierung zu finden scheint. Wen es nicht abschreckt, auch mal komplett ohne diese rumzuirren, der sollte rein hören.

Homepage: www.gletscher.bandcamp.com
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Text: Tristan Osterfeld