Das neue und nicht mehr für möglich gehaltene Album der mehrfach preisgekrönten Sängerin Grace Griffith entstand in jahrelanger Studioarbeit unter Unterstützung zahlreicher Freunde und ihres Labels Blix Street Records. Die amerikanische Folk-Sängerin befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit und lebt inzwischen in einem betreuten Wohnheim. Passing Through ist ein kleines Wunder und eine Liebeserklärung an das Leben und die Kraft der Musik gleichermaßen. Vor 17 Jahren wurde Grace Griffith die Parkinsonsche Krankheit diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt hatte Griffith, die neben ihrer musikalischen Laufbahn als Physiotherapeutin arbeitete, mehrere Auszeichnungen, wie den Washington Area Music Association (WAMMIE) Preis als Beste Sängerin in der Kategorie Celtic and Folk Musik erhalten.

Von Ende der 80er bis Anfang der 90er Jahre war sie die Frontsängerin der keltischen Frauenband The Hags, bildete eine Hälfte des Hazlewood Duos mit der Liedermacherin Susan Graham White und war Frontfrau der Celtic-Gruppe Connemara.

Trotz der fortschreitenden Krankheit machte Griffith weiter Musik, aus der sie einen guten Teil ihrer Kraft bezog und bezieht. „Die Musik war schon immer mein Lebensmittelpunkt. Sie gibt mir Freude und innere Ruhe. Seitdem ich mit der Parkinson-Krankheit lebe, ist die Musik für mich immer wichtiger geworden”, erklärt Griffith. Der gesundheitliche Zustand von Grace verschlechterte sich seit ihrer Diagnose fortlaufend. Sie konnte nicht mehr Gitarre spielen. Das Laufen fiel ihr schwer und sie verlor einen Teil der Kontrolle ihrer Gesangsstimme. Eine Hirn-OP brachte zwar einen gewissen Aufschub, konnte die Krankheit jedoch nicht besiegen.

Trotz dieser Umstände war es Grace Griffith‘ Wunsch, nach neun Jahren ein neues Studioalbum aufzunehmen. Mehr als zwei Jahre mühevoller Kleinarbeit waren nötig, um den guten Tagen oder Momenten die Musik zu entlocken, die in Griffith lebte. Ihr Musikpartner Marcy Marxer beschrieb die Teamarbeit: „Die Produzenten des Albums, Chris Biondo and Lenny Williams, und ich haben es zusammen für sie möglich gemacht. Chris hat die Sache durchgezogen und dann das Material überarbeitet. Was er gemacht hat, war schwierig, mutig und brillant.

Cathy Fink, eine gute Freundin der Sängerin, fügt hinzu, „Chris hat sein Studio aufgemacht, wann immer es Grace wollte; sie hatten einen festen Termin für jeden Samstag Morgen. Chris widmete ihr seine Zeit und sein Wissen, und war ein fester Bestandteil des ‘Team Grace.’ Über zwei Jahre hinweg hat er aus Grace das herausgeholt, was sie in jenem Moment möglich war zu geben: von einem Wort oder Satz bis zu einem ganzen Lied. Er hat dann Stunden damit zugebracht alles für das Album zusammenzufügen.“ Viele Musiker, einschliesslich der Klavierspieler Lenny Williams and Paul Nahay, der Gitarristen Al Petteway und Richard Miller und des Bassisten Biondo, haben zu den Arrangements passend zur Gesangsspur beigetragen, so dass der Gesang immer im Mittelpunkt steht.

Passing Through enthält 13 Songs, in denen von den Prüfungen des Lebens und der dennoch ungebrochenen Liebe zu diesem erzählt wird. Grace Griffith greift ebenso auf Traditionals wie Down by the Sally Gardens oder I wish my Love was a red Rose zurück, wie auf persönliche Lieblingslieder und Songs ihrer musikalischen Wegbegleiter, die sie mit ihrer schwebenden und hellen Stimme in Sphären einer unvergänglichen und andächtigen Schönheit hebt.

Es ist ein ätherischer und dennoch bodenständiger Celtic-Folk, in dem Grace Griffith von der Liebe zu einer Welt singt, auf der wir nur vorübergehende Gäste sind. Piano und Gitarre, Bass und Fidel und gelegentlich Violine und Cello unterlegen den Gesang von Grace Griffith, der stets den zentralen Bezugspunkt bildet. Die Arrangements wirken stets schlank und stimmungsvoll, auch a capella-Stücke wie The Woodrush’s Song finden Eingang in diesen beseelten Reigen der Hingabe an das Leben.

Bei aller Getragenheit und Tragik der Stücke scheint doch eine frohe Botschaft durch alle Stücke. Nicht umsonst gehört die Komposition Loud Are The Bells of Norwich des englischen Dichters Sydney Carter aus dem Jahr 1981 zu den zuversichtlichsten Momenten des Albums. Diese beruht auf einem Gebet von Julian von Norwich, einem christlichen Mystiker aus dem 14. Jahrhundert und beschreibt die Gewissheit des Aufgehobenseins in Gott. Letzlich ist es eine Offenbarung, die Grace Griffith mitteilt, ein bewegendes Bekenntnis zum Leben.

„Das Leben ist eine Fest, und wir haben Glück hier zu sein,” sagt Grace Griffith zu ihrem neuen Album. Am 23. Januar erschien Passing Through und dürfte für Freunde traditionellen keltischen Folks ein Licht in dunklen Stunden bedeuten.

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Text: Mirco Drewes