Während andere, gerade die Alteingesessenen, spätestens ab November mit Weihnachtsgeschäfts-tauglichen Best Of-Veröfffentlichungen den Markt aufzumischen versuchen, geht Herbert Grönemeyer löblicherweise einen anderen Weg. Man kann schließlich auch ein reguläres neues Album auf den Markt bringen. Und genau das macht Herbert Grönemeyer mit Dauernd Jetzt. Ein Album, das mitten im Jetzt stattfindet und dabei in einer klaren Linie mit der Diskographie steht. Schon in Mensch hieß es „momentan ist richtig, momentan ist gut“, auch diesmal sind Zusammenarbeiten auf dem Album versteckt, mit denen man nicht rechnen würde (so wie einst Antony Hegarty) und auch ein Bezug zu Zeit, dass sich was dreht wird hergestellt.

Wer dauernd im Jetzt ist, hat auch immer ein Morgen. Mit diesem eröffnet Grönemeyer auch sein neues Album auf eine hymnisch-melancholische Art und Weise, begleitet übrigens von Fran Healy (Travis) an der Gitarre. Einer, den man nicht unbedingt mit Herbert Grönemeyer in Verbindung bringen würde. Auch unerwartet: Apocalyptica. Diese begegnen auf Uniform mit ihrem virtuosen Cello-Spiel in einer der rockigeren Nummern des neuen Grönemeyer-Albums. Mit Worten wie „Wir werden zu Datensätzen“ behandelt er hier die fortschreitende, mitunter freiwillig stattfindende, Digitalisierung und ihre Schattenseiten. Ebenfalls ein sehr wuchtiges Stück ist Der Löw, das die besagte Liniezu Zeit, dass sich was dreht zieht. Mal wieder wird Fußball thematisiert – diesmal der Weltmeistertitel 2014. Grönemeyers Sommermärchen, wenn man so will, denn er hat die WM hier lyrisch sehr ansprechend in Worte gefasst.

Immer wieder ist es wuchtig, dennoch aber hat der Künstler hier eine Leichtigkeit mit im Gepäck, die dem Album trotz teils tiefgründiger Inhalte sehr zu Gesicht steht, wie man beispielsweise in Wunderbare Leere gut bemerken kann, die eben genau dieses Jetzt beschreibt, in dem Grönemeyer sich befindet. „Heute mache ich mir keine Sorgen, ich fass sie morgen wieder an“, fasst er dieses Gefühl in Worte. Dennoch beherrscht er auch nach wie vor die Piano-Ballade, wie in Verloren bewiesen wird, das zunächst mit dem Piano beginnt, zu dem sich im Verlauf des Stückes noch andere Instrumente gesellen. Im darauf folgenden Unser Land hingegen kommt dann wieder die Rock-Musik zum Vorschein – mit einem Text, der für Diskussionen sorgen könnte, behandelt das Stück doch auf verschiedenen Ebenen die Tatsache, eigentlich doch ganz gerne in Deutschland zu sein.

Ein überaus gelungenes Album ist es geworden, das Herbert Grönemeyer uns hier präsentiert. Vielseitig in musikalischer und inhaltlicher Hinsicht, abwechslungsreiches Songwriting, illustre Gäste und mehr. Das ist allerhand und zeigt eindrucksvoll, dass Grönemeyer eine weitere Best Of zum Weihnachtsgeschäft gar nicht nötig hat. Dann macht man lieber ein starkes neues Album – so wie dieses hier!

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Text: Marius Meyer