Nicht schon wieder. Nicht erneut der eigenen, so leicht zu berechnenden Kunst- und Kulturkalkulierbarkeit begegnen. Dem etwas monotonen Soundeinerlei, der keinen mehr vom Hocker reißen dürfte. Und der mich – oh, ich Opfer – noch immer glücklich macht. Egal ob wir es nun abgegrast oder retro oder refreshed nennen wollen. Und vor allem egal, ob wir nun Joy Division, Mission Of Burma oder die Fehlfarben zum wiederholten Male als vermeintliche Referenzquelle aus der Truhe buddeln wollen. Denn was wirklich zählt ist eines: Dass es gerade einmal zehn Sekunden braucht, um zu wissen, dass man die wände weiß gestrichen minimum mögen wird. Wenn nicht gar: ein wenig lieben. Monotones Soundeinerlei (a.k.a. Soundtrack meines Lebens) gleich zu Beginn sei Dank!

Das treibende Schlagzeug, der so düster fordernde Bass – genau das ist, jene Klangrampe, die eine Bedrohlichkeit ankündigt. „I could be wrong, I could be right” sang John Lydon 1986, gleich zu Beginn des Public Image Ltd.-Stückes Rise. Und schloss selbiges ab mit dem längst berühmten Punk-Postulat: „Anger is an energy!“

Diese beiden Zutaten, den Selbstzweifel und die Wut, nachvollziehbar vermengt zu bekommen, stellt bis heute die hohe Kunst der Punk-, Postpunk- oder auch Noise-Schule dar. Die eigene Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit zu einer positiven Anschubkraft zu bündeln, immer wieder auf fast schon masochistische Art und Weise in die gleichen Kerben, die eigenen Narben zu hauen, bis sich via Im- und Explosion ein Licht und somit Energie entfachen lässt. Monotones Soundeinerei hin, monotones Soundeinerlei her – eine horrende Herausforderung für eine jede Band, ein Album mit derlei Ansinnen zu bestücken. Ohne dabei allzu schnell monothematisch, eindimensional und somit ausgelutscht zu wirken.
[hi tereska] meistern diese Herausforderung auf die wände weiß gestrichen fast durchgehend. Dass wir die vier Herren aus dem Rheinland minimum mögen
werden, das erkennen wir, wie eingangs erwähnt, gleich zu Beginn, während des Intros zu Planquadrat. Musikalisch revolutionär ist das natürlich nicht und bezeugt allenfalls unsere eigene Eingefahrenheit, poltern Typen wie ich doch seit nunmehr 35 Jahren diesem immer gleichen Soundgerüst hinterher und fallen noch immer auf jede Combo herein, der es gelingt dieses spezielle, dieses wütend-kühle Gefühl auf Platte oder CD zu bannen. Es sich, wie nun [hi tereska] über zehn Songs erstrecken zu lassen.

„Der Plan ist nahezu perfekt. Wir haben jedes Detail bis ins Kleinste ausgeheckt. (…) Wir haben einen Plan und führen ihn aus.“ (aus: Planquadrat).

Oh ja, dass [hi tereska] einen solchen Plan haben, das merken wir spätestens mit Eintritt des Gesangs in das oben benannte Soundspektrum. Schön hinter den Instrumenten ist er platziert, der Gesang, mehr geschmiert als denn gemischt und nicht auf Anhieb zu verstehen. Was nicht nur der Produktion, sondern auch an den Stimmlagen von Bassist Christoph und Gitarrist Thorsten zuzuschreiben ist, denen es gelingt gerade gesanglich ein Alleinstellungsmerkmal zu etablieren, das wunderbar polarisieren dürfte. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt, gerade vor dem Hintergrund einer Bandhistorie, in der eifrig herumexperimentiert worden ist mit der Position am Mikrophon. Nein, wirklich gute Sänger finden wir auch in Christoph und Thorsten nicht, braucht es auch nicht, ja verbietet sich vielleicht sogar in den musikalischen Gefilden, in denen [hi tereska] unterwegs sind. Doch wo man sich bei anderen Musikern schnell im Klaren darüber ist, ob man den Gesang nun klasse oder völlig daneben findet, kann es gut sein, dass man, so wie ich, nach diversen Hördurchgängen noch immer wechselweise fasziniert und abgeschreckt ist. Als bestes Beispiel dafür darf der Song Abschied herhalten, vielleicht das grandioseste Stück der Platte. Die Nummer darf textlich (und mit etwas Fantasie) als zerrissen-verzerrte Neubetrachtung des alten Autobahn-Themas von Kraftwerk betrachtet werden, fädelt sich nach den ersten ungestümen Stücken der CD bei knapp der Hälfte ein. Und brilliert nicht zuletzt dadurch, dass wir hier einen Sänger hören, der hörbar nicht geschaffen für diese Komposition ist. Und genau deswegen – Freude! – der gottverdammt beste Mann für den Job.

„Diese Einsamkeit kotzt mich an, ich will nicht mehr nach Hause fahr’n. Die Straße ist voll und es hat keinen Zweck. Wir fahren in die gleiche Richtung, aber einen anderen Weg.“

Es sind Zeilen wie diese, in denen man [hi tereska] immer wieder anmerkt, dass sie – ebenfalls ein kleines Alleinstellungsmerkmal – keine ungestümen Jungspunde im testosteronverhangenen Revolte-Modus sind, sondern gestandene Männer, die schon seit sage und schreibe 20 Jahren gemeinsam unterwegs sind und dabei – die wechselhafte Bandhistorie wurde bereits erwähnt – nicht schlecht durchgerüttelt worden sind. Anstatt sich an mitunter zu vielen semi-poetischen und metaphorischen Ebenen zu verheben, wird hier der eigene Stinkstiefel relativ abgeklärt (och, sagen wir ruhig: lässig) heruntergesungen, wodurch sie [hi tereska] nicht so verkünstelt und verkopft, kein Stück angestrengt daherkommen. Und in ihren schnörkellosen Schilderungen von großen Chancen, großem Versagen und letztendlich doch kleinem Glück (hier vor allem in Liedern wie Hadern oder Last Exit Hamburg) umso aufrichtiger. Fast möchte man sagen: authentisch.

Nein, [hi tereska] möchten das Kunst- und Kulturrad nicht neu erfinden, sie möchten nachweislich auch die SPEX nicht mehr beeindrucken. Eine solche Eitelkeit hat die Band nicht mehr nötig.

Dass der oben benannte Track Abschied so ein wenig zum womöglich unfreiwilligen Highlight der Platte gerät, ist dabei vermutlich einem der wenigen Schwachpunkte von die wände weiß gestrichen geschuldet. Denn gerade zu Beginn der Platte neigt die Band für meinen subjektiven Geschmack in ihren Refrains doch zu sehr dazu, in einen stetig wiederkehrenden „und jetzt alle zusammen“-Stadionrock-Mitgröhl-Duktus zu verfallen. Live vermutlich ein Pfund, mit dem kräftig zu wuchern ist, hockt der geneigte Hörer jedoch allein und isoliert in seiner abgedunkelten Dachgeschosswohnung, beispielsweise, so gerät diese Anmutung hier und da zum Stimmungskiller, konterkariert die so beglückend desperaten Textzeilen, lässt sie eine Terz plakativer erscheinen, als sie sind.

Das, es muss erwähnt werden, ist in Summe allerdings nicht mehr als Meckern auf hohem Niveau. Das Stochern nach Unzulänglichkeiten, ausgeführt von einem Rezensenten, der doch so unfassbar auf Unzulänglichkeiten steht. Gar nicht die Finger und die Ohren lassen kann davon.

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Text: David Wonschewski