Sind das die neuen Kirlian Camera? Nun, Vergleiche sind ja stets so eine Sache. Aber manchmal liegen die Dinge einfach zu sehr auf der Hand: Eine italienische Gruppe, die tanzbare Elektroklänge produziert und neben den drei Männern an den Instrumenten eine nicht unansehnliche Frontfrau besitzt, die für den eingängigen Gesang sorgt. Auf diesem Hintergrund lassen sich Vergleiche nicht gerade vermeiden und sind dabei auch nicht unberechtigt, denn vieles erinnert an die italienische Legende. Hidden Place sind aber alles andere als eine Kopie oder gar eine Cover-Band, sondern bieten durchaus was Neues. Kirlian Camera waren dann wohl doch vor allem Inspiration.

Denkt man an Kirlian Camera, so muss man vor allem Titel wie Blue Room, Edges, Eclipse und wie sie alle heißen, denken. Denn diese Seite, die Rückbesinnung auf Coldwave-Einflüsse der 80er. Die Elektronik wirkt von Zeit zu Zeit zwar kühl, die Wärme begegnet einem dann aber schnell, wenn Sara Lux Vitelli mit ihrem Gesang einsetzt. Dieser ist zwar eingängig, aber eben nicht beliebig säuselnd, sondern bestimmt und gefühlvoll intoniert. Emotionen können transportiert werden und man merkt, dass Hidden Place nicht bloß eine austauschbare Pop-Combo darstellen wollen. Dafür sind sie auch ein wenig zu kantig, was an sich verwundert – dennoch: Auch bei dieser an sich recht eingängigen Musik lassen sich noch Kanten finden, die vor allem die Spielweise der Elektronik betreffen.

United (In The Name Of Memory) ist so ein Titel, der repräsentativ für das Album erscheinen kann. Die Elektronik bietet dezent peitschende Klänge, darüber Keyboard-Melodien und all das bietet ein gutes Bett für den Gesang. Ein eingängiges Stück Musik, ohne dass man sich in der Belanglosigkeit verliert. Oder auch Asimmetrie, das sehr moll-dominiert ist und eine ziemlich düstere Stimmung transportiert. Emotional wirkt der Gesang zwar immer in der einen oder anderen Weise, aber hier ist die Nachdenklichkeit wirklich sehr deutlich herauszuhören. Es ist ein Sehnen, das aus den Stücken spricht – sowohl bei den besagten beiden Titeln als auch bei vielen anderen der Stücke auf Fantasia Meccanica.

Zwar ist die Musik hier und da noch nicht ganz so ausgereift wie die der augenscheinlichen Inspiration, aber das erscheint bei über 25 Jahren Vorsprung auch mehr als verständlich. Dennoch präsentieren Hidden Place wirklich sehr erwachsenen, eingängigen Elektro-Pop mit hypnotischem Potenzial. Und – der Vergleich lässt sich einfach nicht vermeiden – wer bei Kirlian Camera oftmals von den elektronischen Spielereien des Angelo Bergamini verstört war, findet bei Hidden Place eben genau den Gegenpart: Hier steht nur die Form der Stücke im Vordergrund, die schön, eingängig und tanzflächenkompatibel sind. Hier und da fehlt vielleicht noch ein wenig die ureigene Note, aber sie sind auf einem guten Weg. Fantasia Meccanica ist ein empfehlenswertes Album, das beweist, dass Hidden Place unter Umständen eine gute Zukunft haben könnten mit ihrer Musik!

MySpace: www.myspace.com/hiddenplaceitalia

Text: Marius Meyer