Wenn man bedenkt, dass homosexuelle Schützenkönige nicht mit ihrem Partner auf öffentlichen Veranstaltungen auftreten dürfen, da dies gegen die Werte der Schützentradition verstößt, kann man eigentlich davon ausgehen, dass es nicht mehr notwendig ist, dass am Christopher Street Day Homosexuelle auf sich aufmerksam zu machen müssen. Immerhin scheint man im Elektro-/Industrial-Bereich schon ein bisschen weiter zu sein: Dort feiert Rummelsnuff die Homo-Erotik. Während es beim CSD und bei Rummelsnuff aber noch lustig zugeht, ist Tighten that muscle ring wie ein Tritt in die Eingeweide, der sich nicht um Augenzwinkern bemüht, sondern direkt nach vorne geht.

In der Covergestaltung sind Genitalien zu sehen, in der Musik ist ständiges männliches Stöhnen zu hören (laut Presseinfo stammen diese aus echtem Schwulen-Sex), über der „Musik“ wird von gutaussehenden Jungs geredet, SM-Phantasien besprochen. Zu hören sind teils tanzbare Stücke, die sich zwischen Noise, EBM und IDM bewegen, in One sleazy night in New Orleans sind sogar Country-Melodien zu hören. Alles allerdings sehr minimalistisch, Musik für Tanzflächen und für Schlafzimmer.

Man mag den Eindruck haben, es wäre plakativ – in der Tat ist es das auch. Aber man versucht nicht, sinnlos zu provozieren, man versucht es wohl realistisch darzustellen. Ob es realistisch ist, kann man nicht sagen, aber Bilder im Kopf entstehen. Nimm es oder lass es! Subtilität sollte man allerdings nicht erwarten.

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Text: Tristan Osterfeld