Eigentlich vermutet man gar nicht, was für eine bemerkenswert laute, rohe, aggressive Musik hinter dem doch recht idyllischen Cover, auf dem ein wunderschönes Foto eines gefangenen Adlers zu sehen ist, lauert. Einzig die Titelnamen gewähren einen etwas tieferen Einblick in das Seelenleben der vier Dänen, die Iceage gründeten – Ecstasy, Morals, Burning Hand oder It Might Hit First. Wenn diese allein nicht überzeugen, dann beweist die Musik, dass You’re Nothing erstklassigen Punk bietet. Der Sound ist roh und ungefiltert, die Stücke beginnen und enden abrupt, variieren im Tempo, kaum ein Stück dauert länger als dreieinhalb Minuten, keines länger als vier. Iceage machen also Punkrock.

Doch mitnichten keinen Funpunk, wie er von MTV und amerikanischen Abziehbildchenbands in den Neunzigern salonfähig gemacht wurde. Iceage spielen düstere, heftige Kompositionen, oft nicht viel mehr als kurze Soundausbrüche gepaart mit assoziativen Texten (Paradebeispiel: besagtes It Might Hit First). Dazu verrückt die tiefe, oft passend knapp am richtigen Ton vorbei rotzende Stimme von Sänger Elias Bender Rønnenfelt den Sound der Kapelle erfrischend stark in Richtung Gothic, und verwandelt auf diese Weise so manchen Song zu einem abgründigen Vergnügen.

Während einzig Interlude sphärisch bleibt, instrumental mit hintergründigen Keyboardklängen und elektronischem Marschschlagzeug, ist der Rest laut, wild und regelrecht unbändig. Dabei bleibt die Eingängigkeit allerdings ebenfalls nicht auf der Strecke; zwar bleibt sie hinter dicken Schwaden roher Punkproduktion und verzerrtem Sound etwas verborgen, dringt jedoch langsam und behutsam ins Ohr des Hörers vor. Am besten funktioniert dahingehend wohl In Haze, ein toll geschriebener Song, der zwar in punkto Wohlklang nicht an das zitierte California Dreamin’ herankommt, aber bestimmt ebenso interessant ist und auf den Punkt kommt.

You’re Nothing bietet also den mit Abstand interessantesten Avant-Punk, der in den letzten paar Jahren die Bildfläche betreten hat. Das ansehnliche Artwork und die, wie immer aus dem Hause Matador, gelungene Verpackung heben den Hörgenuss zusätzlich über den Durchschnitt. Nur die etwas kurze Länge stellt einen kleinen Kritikpunkt dar. Andererseits, Iceage ist eben eine Punkband, You’re Nothing ein Punkalbum – da liegt die Kürze in der Würze. Und allzu lang am Stück sollte man sich der mitunter wahrlich depressiven Klänge der Band ohnehin nicht aussetzen.

Homepage: iceagecopenhagen.blogspot.com/

Text: Fabian Broicher