Ein paar Freunde sehen im Amsterdam des vergangenen Jahrhunderts immer wieder ein grünes Gesicht, eine Person in Gestalt eines Gespenstes, das jedoch kein Gespenst ist, sondern der einzige, der kein Gespenst ist. Das etwa umschreibt den Inhalt von Gustav Meyrinks Roman Das grüne Gesicht, der der phantastischen Literatur zuzurechnen ist und der als Inspirationsquelle für dieses Album diente, so wie auch das Vorgängeralbum Der Golem von einem Werk Meyrinks beeinflusst wurde. Musikalisch hat man die Vorlage in jedem Fall angemessen vertont, wobei das Album musikalisch schwer einzuordnen ist. Sicherlich könnte man es in das weite Feld des Progressive Rock einordnen, jedoch ist Il volto verde letztendlich immer mehr als das.

Man findet einerseits viele Einflüsse von Bands wie Antonius Rex, die in den 70ers bereits okkulte Themen vertonten und dabei auf markerschütternde Orgeln zurückgriffen oder auch Einflüsse von Il Balletto di Bronzo, jedoch verbleibt man nicht einfach nur dabei, Musik aus den 70er Jahren neu zu interpretieren.

Oft genug erscheint das Album wie eine Mischung aus düsterem Chanson und Progressive Rock, wie bei La Bottega delle Meraviglie, das surreal wirkt und gleichzeitig mit einer Kraft über den Hörer herfällt. Fast elegisch wirkt dagegen Chidher il Verde, das schon fast im Bereich Gothic anzusiedeln wäre. Spacerockig dagegen dann Trenodia delle Dolci Parole, wobei der weibliche Gesang an Opern erinnern lässt und man sich im Mittelteil immer weiter ins hypnotische steigert, bis der Gesang gegen Ende dann schon fast verrucht klingt. Hypnotisch ist ebenfalls das repetitive Il rituale, genauso wie La Congrega dello Zee Dyk, bei dem man alles nur durch einen Schleier aus psychedelischen Orgelklängen wahrzunehmen scheint und beschwörerischer männlicher Gesang ertönt, der immer wieder Spannungsbögen aufbaut. Der französischen Zeuhl Band Magma scheint man dagegen Il Manscritto gewidmet zu haben, das mal sich in Ekstase steigernden Frauengesang bereit hält und dann aber in sowas wie normale Gefilde abdriftet, jedoch immer wieder mit plötzlichen Wendungen auf den Hörer wartet. Deutlich mehr am Psychedelic Rock mit psychedelischen Orgeln ist dann L’Evocazione di Eva: Repetitive Gitarren und sogar ein Saxophon erklingt, das das Stück in die Nähe des Jazz bringt. Deutlich ruhiger und besinnlicher ist Retrospettiva di un Amore, dass erst gegen Ende erst aufdreht und sonst ebenfalls eher an alte Chansons erinnert, während man mit Usibepu wieder in psychedelische Gefilde abdriftet, wenn auch deutlich sanfter als man es sonst auf dem Album hört. Zum Ende scheint man dann noch einmal mit L’Apocalisse und komplett surreale Prog-Rock-Gefilde zu begeben, bevor Epilogo das Album mit Orgeln ausklingen lässt.

Il volto verde ist ein extrem vielschichtiges Album geworden und die bisherige Beschreibung kann auch nicht mehr sein, als eine grobe Skizze des Werkes. Denn mit beim genauen hinhören offenbaren sich Details, die man erst entdecken muss. Letztendlich könnte man Il volto verde als eines der okkulten Rockalben bezeichnen, bei denen man nicht das Gefühl hat, mit Leuten in einem Zimmer zu sitzen, in dem andauernd eine Bong rumgereicht wird, während die Musik läuft, sondern eines, das sich mit der nötigen Ernsthaftigkeit mit okkulter und surrealer Thematik zu befassen weiß.

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Text: Tristan Osterfeld