Seit fast zwanzig Jahren weiß B’Eirth mit seiner Musik zu verzaubern, sei es nun mit In Gowan Ring oder mit seinem eher vom US-Folk inspirierten Projekt Birch Book. The Glinting Spade ist eines seiner Frühwerke und erschien kurz vor der Jahrtausendwende und war lange Zeit vergriffen. Warum nun eine Neuveröffentlichung sowohl auf CD als auch auf LP mehr als notwendig war, wird man schnell begreifen – auch wenn The Glinting Spade nicht das ist, was man als Album aus einem Guss bezeichnen möchte. Im Gegenteil erscheint es aufgrund seiner vielen verarbeiteten Ideen, die nicht immer perfekt umgesetzt wurden, sperrig. Aber genau das ist es, was The Glinting Spade so faszinierend macht.

Experimentierfreude mit Instrumenten, Neugierde, was für Töne aus diesen herausholen kann und Geräusche, bei denen der Pressetext sagt sie wären nicht synthetisch, was man erstmal nicht glauben möchte, aber durchaus plausibel erscheint. Schon das erste Stück Two Wax Dolls baut auf einem durchgehenden Klangteppich auf, über dem B’eirth Stimme zu schweben scheint, während sich gegen Ende Blasinstrumente dazu gesellen. Cypher’s String On Tree In The Dream Of The Queen ist dagegen beinahe sakral: Es wird über 13 Minuten eine zerbrechliche Grundstimmung erzeugt, die diffus und majestätisch zugleich ist. Der Hidden Track Milk Star könnte dagegen fast dem Krautrock zugeordnet werden, da dieser mit der Genre-typischen Monotonie arbeitet, aber sich langsam umstrukturiert. In Bow Star wird dagegen eine Flöte in die Unendlichkeit gezerrt.

Dennoch gibt es viele für In Gowan Ring typische Momente: Sanfte Folksongs mit spartanischer Instrumentierung, jedoch scheint immer wieder eine Spielfreude hindurch, die Grenzen ausloten will und immer wieder neue Facetten eröffnet, auch wenn dies mitunter auf Kosten der Perfektion gehen mag. Wem Kreativität wichtiger ist, als dass alles immer aufeinander abgestimmt ist, sollte sich also freuen, dass dieses Album mit angemessener Würdigung wieder zugänglich gemacht wurde.

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Text: Tristan Osterfeld