James Chance ist eine lebende Legende. Er war in den 70ern zusammen mit Leuten wie Brian Eno, Lydia und Glenn Branca maßgeblich an der Entwicklung des No Wave beteiligt. Jener Welle, die Ende der 70er Jahre als ironische Antwort auf den New Wave erfunden wurde und irgendwo zwischen Punk und Artrock eingeordnet werden wollte und deren Leitsatz hieß: „weniger ist mehr“. Eins der Aushängeschilder dieser Bewegung war die Band James Chance and Les Contortions, die vom Free Jazz-Saxofonisten James Chance aka James Sigfrid 1977 in New York gegründet wurde. Nach dem Ende des No Wave lösten sich die Contortions im Jahre 1980 auf und gingen ihrer Wege. James Chance nahm einige Soloalben auf, aber als sich die Band im Jahr 2001 wieder traf beschloss man, dass es ein Comeback geben sollte.

Mit Incorrigible erscheint nun das neue Werk von James Chance and Les Contortions und sie klingen immer noch wie vor rund 35 Jahren, irgendwo kommt ein abgedreht klingendes Saxofon und trifft auf verstimmte Gitarren. Für Fans des Freejazz und der eher schrägen Tonkunst. Es ist nicht zu erwarten, dass man James Chance in den Charts wiederfindet, aber wer kennt heute noch die No Wave-Bewegung? Dass kommerzieller Erfolg ja nun wirklich kein Kriterium ist, beweisen die Les Contortions mit ihrem Mastermind James Chance nun wirklich recht lange. Ein wunderbar klingendes Sammselsurium aus derartig vielen Styles ist wirklich hörenswert.

Text: Dennis Kresse