Vergangenes Jahr beeindruckten Jastreb mit ihrer gleichnamigen EP, nun erscheint das erste Album des gemeinsamen Projektes von Seven that Spells und Der Blutharsch and the infinite Church of the leading Hand. Wer diese Projekte kennt, wird sich nicht wundern, dass es auch hier in Richtung psychedelisch-progressiven Rocks geht, wobei die Parallelen zu diesen beiden Projekten erst nach mehreren Hördurchgängen deutlich werden: So findet sich sowohl die schräge Melodieführung von Der Blutharsch and the infinite Church of the leading Hand inklusive der in die Länge gezogenen Abschlüsse der Lieder wieder so wie auch die vertrackten und experimentellen Passagen, wie man sie von Seven that Spells kennt.

Ansonsten geht man aber in eine eigene Richtung: Synthesizer fiepen und schwirren vor sich hin, während die Gitarren mal doomig im Hintergrund bleiben, mal abzuschweifen scheinen. Die Lieder sind alle unbetitelt, am eindrucksvollsten ist jedoch das vorletzte, sieben Minuten lange, Stück der A-Seite, das orientalisch-mittelalterlich im Progrock-Gewand daherkommt. Aber auch auf der zweiten Seite findet sich mit dem zweiten Stück ein genial-abstruses Lied, das irgendwo im Hippie-Folk wildert.

Das soll nicht heißen, der Rest des Albums wäre uninteressant, diese beiden treten zwischen den an sich schon wunderbar gemachten Liedern jedoch noch einmal deutlicher hervor. Doch auch der Rest kann von vorne bis hinten überzeugen, auch wenn man immer wieder den Überblick zu verlieren droht, wenn man sich mal wieder in den Soundlabyrinthen verloren hat. Dies passiert einem allerdings auch nach zahllosen Hördurchgängen noch. Das einzige, was da nur noch hilft, ist sich zurückzulehnen, alles auf sich wirken zu lassen, zu staunen und sich manchmal auch ein bisschen unheimlich zu fühlen.

Denn Jastreb haben nicht nur viele tolle Ideen, sie setzen sie auch wunderbar um. Allerdings scheinen bei Mother Europe wie so oft Genie und Wahnsinn dicht beieinander zu liegen. Dies ist aber in einem Musikgenre, in dem zu vieles zu ähnlich klingt nichts, was falsch sein könnte, im Gegenteil…

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Rezension: Jastreb – Jastreb EP

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Text: Tristan Osterfeld