Manchmal wundert man sich, dass es Gruppen ja doch noch gibt. Auch gibt es manchmal Konzepte, die man für viel zu ausgeleiert hält. Und dann gibt es noch Fälle, wo beides aufeinandertrifft: Nach einer ordentlichen Pause kommt die Jazzkantine wieder zurück. Mit einem Cover-Album. Wie originell – mag manch einer jetzt denken. Aber: Was die Jazzkantine auf Hell’s Kitchen zelebriert ist tatsächlich sehr originell und nebenbei auch noch sehr gelungen. Auf der CD covert das Projekt sich mit so einigen Gaststimmen munter durch Metal-Klassiker aus den 70ern und 80ern und transponiert diese in ein Gewand von Jazz, Funk und Swing.

Wie viel Spaß das macht, zeigt schon der Opener (der auch gleichzeitig die Vorab-Single war) Highway to Hell, bei dem man sich mit Tom Gaebel prominente Verstärkung gesucht hat. Das Stück swingt mit groovenden Basslinien, erhält einen Hauch von Big Band und wirkt vor allem durch die Bläsersetze nach einer ganzen Menge, die aber sicher nicht an Metal denken lässt. Ein Saxophon-Solo rundet das Ganze gut ab. Und dieser Stil zieht sich auch durch das weitere Album. Dafür ist auch bereits der Folgetitel – der Van Halen-Klassiker Jump – ein hörbarer Beweis: Mit Sam Leigh-Brown an den Vocals bekommt das Stück eine jazzige Atmosphäre und einen leichten Lounge-Spirit.

Moment! Folgt man den bisherigen Ausführungen, gerät eins aus dem Sichtfeld: Jazzkantine… Die haben doch mal Jazz mit HipHop verbunden. Und in der Tat: Von HipHop hört man auf diesem Album ziemlich wenig hörbar. Selbst Jazzkantine-Urgestein Cappuccino, sonst durch und durch als Rapper bekannt, gibt sich hier dem Metal hin. Oder besser: Dem, was draus geworden ist. Das hört man beispielsweise gut bei Iron Horse (Motörhead), das er mit rauer Stimme singt und das dem Original ganz neue Facetten abgewinnt. Genau das gelingt auch durchweg: Neue Facetten finden. Sei es bei Smoke On The Water in einer Jazz-Version oder auch in der funkig klingenden Variante von Hell’s Bells.

Die Übertragung in den eigenen Stil geht so weit, dass man vermutlich gar nicht erahnen könnte, dass diese Stücke mal Metal (oder zumindest Hard Rock) waren, bevor sich die Jazzkantine ihrer angenommen hat. Dadurch aber, dass man die Stücke kennt, steigt der Spaßfaktor gewaltig. Ein wirklich gelungenes Album präsentiert uns die Jazzkantine hier. Hell’s Kitchen ist ein Projekt, das Spaß macht, dabei aber weit mehr als ein Spaßprojekt ist. Sehr gelungen!

Homepage: www.jazzkantine.de
MySpace: www.myspace.com/jazzkantine

Text: Marius Meyer