Von Teilen der französischen Presse wird Jeanne Added als eine Art musikalische Offenbarung gefeiert. In der Tat hat Added in Paris und London eine akademische Ausbildung in klassischem Gesang, Cello und Jazz genossen und sich hernach sehr umtriebig gezeigt. So versuchte sie sich in Klassik, Elektro, Grunge, Jazz und Theatermusik, erlangte in Frankreich aber vor allem über die Indie-Szene Bekanntheit als Duo mit Marielle Chatain von The Dø. Nun schickt Added ihrem für 2015 angekündigten ersten Soloalbum die EP A War is Coming voraus, auf der sich vier Stücke ihres Erstlings befinden. Wie andere gelernte Cellisten (etwa der im vergangenen Jahr leider bereits verstorbene Großmeister Jack Bruce) hat sie sich dabei den Bass zum Instrument auserkoren, setzt diesen aber eher brachial denn virtuos ein.

Die vier Tracks auf A War is Coming sind im Wesentlichen das, was man in solchen Fällen gern »reduziert« nennt: Viel druckvoller Rhythmus von Bass und Schlagzeug (bzw. Drum-Computer), hypnotische Keyboards und eine verzerrte Stimme. Jeanne Added Gewogene nennen das »unkonventionell« und ihren Gesang »charismatisch«. Und vielleicht ist es ja so, dass Komplexität und Verspieltheit irgendwann langweilig werden, wenn man eine musikalische Offenbarung und eine Multiinstrumentalistin ist. Ich persönlich bin nach drei für meinen Geschmack arg gleichförmigen Songs auf A War is Coming allerdings nicht sonderlich erpicht darauf, mir womöglich noch sieben oder mehr vom selben Kaliber anzuhören.

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Text: Mario Nowak