Es gibt offenbar Leute, die werden einzig und allein von einer musikalischen Vision ein Leben lang angetrieben. Dazu gehört wohl auch Jeff Wayne, Keyboarder und Komponist, ferner Mastermind hinter einem der bekanntesten Rock-Musicals aller Zeiten, namentlich The War Of The Worlds, basierend auf dem gleichnamigen Roman von H.G. Wells, der bereits unzählige Filme und weitere mediale Interpretationen (unvergessen das Radiospiel von Orson Welles) nach sich zog. Nun erscheint, auf zwei CDs und in einem wunderschönen Digipack, die New Generation des Prog-Rock-Musicals, überarbeitet und mit neuer Besetzung.

Und die hat es durchaus in sich. Wo bereits das Original mit bekannten Namen von sich reden machte (Richard Burton und Phil Lynott, unter anderem), hauchen auch in der neuen Version hochkarätige Leute den Texten Leben ein. Liam Neesons warmer Bariton begleitet uns als Erzähler durch die apokalyptische Geschichte über den Angriff von Marsianern; Gary Barlow singt ein paar wenige Zeilen aus den Gedanken der Hauptperson; Joss Stone überzeugt als Priesterfrau und mit Soulstimme; Ricky Wilson, der seine Brötchen eigentlich bei den Kaiser Chiefs verdient, gibt den verrückten Soldaten, der von einer utopischen neuen Welt träumt. Rapper, Sängerinnen, Schauspieler – alle scheinen bereitwillig dem Aufruf von Jeff Wayne gefolgt zu sein.

Text und Musik wurden für diese neue Generation aufgepeppt, obgleich die wenigen Textstellen mehr kaum ins Gewicht fallen. Hin und wieder ein Absatz mehr, hier und dort ein anderer Satzbau. Da sind die musikalischen Unterschiede gravierender. Leider wurde direkt das Hauptthema zu Beginn des Musicals verschlimmbessert und klingt eher nach Kellerdisco in den Neunzigern, als nach einem drohenden Angriff von Außerirdischen. Sowieso bleibt die erste CD blass und anstrengend zu hören, was vor allem an den wenigen Songs liegt. Es wirkt dementsprechend stellenweise wie ein englisches Hörbuch mit Musikuntermalung; zum Glück kann man im hervorragend gestalteten Booklet sämtliche Texte mitlesen, ansonsten käme man als Uneingeweihter der Handlung kaum noch hinterher.

Der zweite Teil gestaltet sich dann deutlich angenehmer und abwechslungsreicher. Bereits im Original ein Highlight, überzeugt Joss Stone in einem herzerweichenden Duett mit Maverick Sabre, der einen gottesgläubigen Priester gibt. Auch Ricky Wilsons Auftritt gestaltet sich überzeugend und man nimmt dem britischen Herrn die dargestellte Verrücktheit wahrlich ab. Unter diesem Gesichtspunkt ist es wohl legitim von einer neuen Generation bei dieser Aufnahme zu sprechen, da der moderne Klang und die berühmten Sprecher und Sänger tatsächlich die alte Musicalaufnahme in unsere Zeit verfrachten. Trotzdem ist es nicht unanstrengend, das Werk in einem Durchgang zu hören, gerade wegen (oder trotz?) seines Konzeptcharakters. Schließlich bleibt Jeff Wayne’s Musical Version Of The War Of The Worlds nichts weiter, als die Vertonung eines wahrlich erstklassigen Stückes Weltliteratur. Aber eben auch nichts weniger.

Wem die CD-Variante zu anstrengend ist, kann das Musical als Spektakel auch live auf der Bühne sehen. An folgenden Terminen machen Wayne und seine Kollegen Station:

03.01.2013 Hamburg, O2 World
04.01.2013 Oberhausen, König Pilsener Arena
05.01.2013 Berlin, O2 World
07.01.2013 Nürnberg, Arena Nürnberg
08.01.2013 München, Olympiahalle

Homepage: www.thewaroftheworlds.com
Facebook: www.facebook.com/thewaroftheworlds
Twitter: www.twitter.com/twotwofficial

Text: Fabian Broicher