Im Grunde genommen hat Joachim Witt zwei Probleme: Das erste heißt Der Goldene Reiter, das andere dann Die Flut. Beides hervorragende Stücke, beide jedoch auch Brandzeichen, die ihm unweigerlich anhaften. Dass er zwischendurch noch andere Projekte am Laufen hatte, wie die Bayreuth-Reihe, wurde zwar wahrgenommen, aber in ganz anderen Ausmaßen, sodass es bei Witt immer heißt: „Ach ja, Die Flut.“ Jetzt, nach sechs Jahren Pause im aktiven Musizieren, in denen er beispielsweise den Leichtmatrosen gefördert hat (nähere Informationen im Interview an dieser Stelle), ist mit Dom ein neues Album von ihm da, das so in der Form unerwartet begegnet.

Schon die Vorab-Single Gloria zeigt es. Joachim Witt hat offenbar eine Art innere Ruhe gefunden, denn die Single klingt sehr harmonisch, Witt singt einfühlsam und gibt eine Ballade, die zum Ende hin immer mehr Kraft entwickelt. Tatsächlich, man muss das sagen, haftet dem Werk ein wenig Kitsch an, der in diesem Fall aber gar nicht negativ zu verstehen ist, denn Joachim Witt steht er. Auch in Königreich, wenn er singt, dass die Zeit „Blumen in unser kaltes Herz“ streut. Aber auch den Chorus „Komm wir bau’n uns ein Königreich“ kann Witt so singen, dass man ihm die ganze Nummer abnimmt. In Tränen hingegen ist die Akustik-Gitarre das dominierende Element, worüber Joachim Witt sein trauriges Lied singt. Oft wirkt es auch gar hymnisch, wie in Komm nie wieder zurück. Aber dann gibt es eben doch auch die Momente, wo der Bayreuth-Witt zurückkehrt. Leichtsinn zum Beispiel zeigt im Gesangsstil die Rauheit, durch die ihm einst die Nähe zur so genannten „Neuen Deutschen Härte“ nachgesagt wurde, obgleich der Song sonst ganz anders wirkt.

Es ist in der Tat ein Witt-Album, wie man es nicht erwartet hat. Freunde des Bayreuth-Witts könnten sich verwundert die Ohren reiben, aber wenn sie sich drauf einlassen, gefällt ihnen das Album vermutlich. Und ob nun gewollt oder nicht: Ein bisschen lässt das Album auch eine Linie zum Goldenen Reiter ziehen. So oder so klingt es aber erfrischend anders. So wie das Album von einem, der sechs Jahre Pause gemacht hat, um zu sich selbst zu finden.

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Interview mit Leichtmatrose und Joachim Witt (M’era Luna Festival 2009)

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Text: Marius Meyer