Besinnliches zur Weihnachtszeit? Nicht schon wieder. Richtig: Nicht schon wieder. So etwas ist dem Label Kalinkaland fremd und so ist es eher Zufall, dass das Album The Oracle der irischen Sängerin Joy Shannon und ihrer Band The Beauty Marks zu dieser Zeit des Jahres erscheint. Und dass Musik bei Kalinkaland gerne in ruhigeren Gefilden unterwegs ist, ist ja ebenfalls nichts Neues. Nun also dieser erfreuliche Neuzugang des Labels, der ein ruhiges und umso eingängigeres Folk-Album veröffentlicht. Auf insgesamt zwölf Stücken spannt die Irin einen großen Bogen und fesselt den Zuhörer mit ihren Klängen.

Schon wenn sie das Album mit dem fragilen Morrigan eröffnet, einem ruhigen und Spannung aufbauenden Intro, ist man angenehm von der warmen bis melancholischen Stimme angetan und gespannt auf das, was folgen wird. Titel wie The Parting Glass bestätigen einen dann auch in seiner Erwartungshaltung. Keltisch angehauchte Musik mit spärlicher Instrumentation, die gerade dadurch ihre Schönheit entfaltet. Fragile Schönheit in Folk, mit irischen und keltischen Folk-Motiven und -Einflüssen angereichert. Damit kann Joy Shannon mit ihrer Band hier auf ganzer Länge überzeugen. Auch Liam Neeson beispielsweise beweist das und zeigt, wie intensiv das klingen kann, was hier geboten wird.

Wenn man das alte Sprichwort „Willst du gelten, mach dich selten“ anwenden mag, würde es hier passen. Aber man könnte auch „Gut Ding will Weile haben“ sagen. Wie man es auch dreht und wendet: Kalinkaland ist nicht gerade für Veröffentlichungen am laufenden Band bekannt, kann aber immer wieder mit sehr hoher Qualität punkten. So auch hier. Eine wirklich schöne Scheibe!

Homepage: joyshannon.wordpress.com

Text: Marius Meyer