Wenn von Metal auf Cello, Violine und Schlagzeug die Rede ist, denkt man schnell an den hohen Norden und düsteren Metal aus Skandinavien. Mit dieser Annahme aber ist man eindeutig auf dem Holzweg: Das düstere Trio kommt aus Oakland in Kalifornien, also nicht gerade der Gegend, in der man Einsamkeit und Finsternis verortet. Aber auch hier kann faszinierender Metal entstehen, der mit dieser Bezeichnung eigentlich viel zu einseitig benannt ist. Gesungen wird hier gar nicht, der klassische Einschlag ist nicht zuletzt durch die Instrumente deutlich zu hören und es ist eben nun gar nicht so das, was man gemeinhin mit Metal in Verbindung bringt.

Auch wenn die Album-Info sagt, dass Judgement Day sich „vorgenommen haben, […] nicht wie Apocalyptica zu klingen“, ist das natürlich ein Vergleich, der sich nicht immer von der Hand weisen lässt. Gerade Titel wie Demon Fire lassen durch das Cello-Spiel Erinnerungen an die Finnen wach werden. Aber besagtes Demon Fire zeigt auch die Unterschiede, denn dadurch, dass auch die Violine zu ihrem Einsatz kommt, grenzt man sich durch deren Stakkato-Spiel ab. Auch das Schlagzeug hat hier eine eher perkussive Funktion. Ganz eigen dann zum Beispiel Redneck Rumble, das ein hohes Tempo an den Tag legt, bei dem das Cello eher die Bassfunktion übernimmt und die Violine treibende bis schräge Melodien zum Besten gibt.

Die 14 Stücke auf Polar Shift zeigen viel Abwechslungsreichtum, erzeugen unterschiedlichste Dynamik und ziehen einen in den Bann. Man muss kein Metal-Fan sein, um hier Gefallen zu finden. Auch die Freunde klassischer Klänge kommen auf ihre Kosten, wenn sie gerne nebenher mal ein bisschen Rock-Einschlag mögen. Und, es drängt sich einfach auf, wer Apocalyptica mag, wird schlichtweg auch Judgement Day mögen. Wie man es auch dreht und wendet: Gelungen ist dieses Album definitiv!

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Text: Marius Meyer