Mehr als zehn Jahre nichts vom Kammarheit und dann das. Ein Album, das so vieles ist und so viele Assoziationen zulässt: Ist man nun in einer Eiswüste und sich nur monotones Weiß – und doch gleichzeitig Felsformationen, Gletscher und Hügel, die der Landschaft Strukturen geben und immer wieder fallen Details auf, die man erst beim genauen Hinsehen erspäht. Details, die einen erschauen lassen, denn man weiß nicht, welche Abgründe sich nun unter dem Eis verbergen, die klassische Spitze des Eisbergs, scheint nur erkennbar, aber was darunter liegt, das wird einem erst nach und nach bei genauerem hinhören immer bewusster.

Ganz klar: The Nest baut eine trügerische Ruhe auf, die immer wieder durch düstere Elemente gestört wird, die man nicht zuordnen kann. Doch man weiß, dass die Ruhe trügerisch ist, denn eine omnipräsente Bedrohung ist da. Nie zeigt sie sich, doch man spürt sie und am liebsten möchte man den ganzen akustischen Hinweisen auf sie keine Beachtung schenken, doch wird man von ihnen angezogen und immer tiefer reißen sie einen, ohne einem dabei irgendetwas konkreter werden zu lassen.

Im Gegenteil scheint der Nebel dichter zu werden und alles düsterer und schemenhafter, je intensiver man das Album hört und man kann all dem nicht mehr entkommen, erst wenn man nach fast einer Stunde die Reise durch die nasskalte Stimmung des Albums hinter sich gebracht hat…

Text: Tristan Osterfeld