Nachdem man 2011mit Hellstation eingestiegen ist, geht es nun weiter zur nächsten Haltestelle: Zone 0, die wie schon der Vorgänger ein alptraumhaftes Szenario einer Stadt präsentiert. Was sich auf Hellstation aber alles noch andeutete, wird auf Zone 0 deutlich konkreter: Die Abgründe, der Niedergang, das Elend – alles war noch weit weg bei Hellstation und man konnte es von weitem erahnen, nun steckt man mittendrin. Dazu passt dann auch die dem Album beiliegende Karte, die die Stadt der Musiker zeigt, Mannheim, und auf der die einzelnen Tracks in Form von Wegpunkten verzeichnet sind und die allesamt vom Verfall gekennzeichnet zu sein scheinen.

Doch dem Verfall nähert man sich nicht mahnend oder trauernd, sondern mit einer morbiden Faszination, die das ganze Album durchzieht und einen in einem Spannungsfeld zwischen Abscheu und Freude am Zusehen festhält. Das mag auch daran liegen, dass man direkt zu Beginn mit der fünfzehnminütigen Klangcollage Work Church Poverty konfrontiert sieht, die einen zu Beginn mit Geräuschen konfrontiert, die an Maschinengewehrsalven erinnern, gefolgt von einem verzerrten Sample des ehemaligen Vorstehers der neuapostolischen Kirche, was aufgrund des Songtitels nochmal makabrer wirkt, darauf folgt analoges Stampfen. Die nächsten beiden Titel lassen flatterndes Rauschen und Sprachsamples auf den Hörer los. Infirmity Anthem rauscht ebenfalls, ergänzt das Ganze aber durch brummendes Stampfes. Fast schon melodische Bereiche geht dagegen Ghost of common past, das eine klare Rhythmik aufweist.

Mit Children of the Devolution ist es dann aber auch wieder mit solchen Dingen vorbei: Unruhig und düster wirkt dieses Stück, was sowohl an den überlagernden Klangflächen als auch an den sich überlagernden Sprachsamples liegt. Wenn Lifebuster das Album dann mit Störgeräuschen und verfremdeten Stimmen beendet, hat man es durch die Zone 0 und seine Abgründe geschafft, die durchgehend von einer subtilen Aggressivität und einem zermürbenden Charakter gekennzeichnet sind. Das ist auch die Stärke des Albums: Alles bleibt in ruhigen Gefilden, aber das Gefühl, dass alles um einen herum kaputt ist, ist ständig da.

Dreht man die Karte um, so sieht man das Umland von Mannheim und Pfeile, die auf die Stadt zeigen und wiederum mit „Precariata Extremista“ gekennzeichnet sind. Oben rechts liest man dann noch „The resistance has only just begun“. Bei einem Album wie Zone 0 bleibt auch nur zu hoffen, dass auf ein neues Ke/Hil-Album nicht zu lange auf sich warten lässt.

Text: Tristan Osterfeld